München – Ein großer Schritt für Karim Adeyemi, ein Segen für die SpVgg Unterhaching. Der Wechsel des 20-jährigen Nationalstürmers von RB Salzburg zu Borussia Dortmund bringt dem Regionalligisten knapp sieben Millionen Euro an Transferbeteiligung. Ein Verdienst von Präsident Manni „Mister 22 Prozent“ Schwabl, der im Interview mit unserer Zeitung auch erklärt, was die Spielvereinigung mit den Millionen anfangen wird.
Herr Schwabl, haben Sie die Champagnerkorken vom Dienstag schon eingesammelt?
So arg war’s nicht, im Übrigen ist mir Weißbier eh lieber als Champagner. Aber natürlich markiert diese Unterschrift einen außergewöhnlichen Tag in unserer Vereinsgeschichte. Das ist die erste ganz große Ernte unserer Nachwuchsarbeit. Als ich am Dienstag Karims verschmitztes Lächeln auf den Dortmunder Pressefotos gesehen hab, da sind sofort die Erinnerungen an sein Gesicht hochgekommen, wie er 2012 mit zehn Jahren zu uns gekommen ist. Ich hab ihm damals eine Pizza in unserer Wirtschaft spendiert. Die kann er sich künftig selber leisten… (schmunzelt)
Ist Dortmund der richtige Verein für Adeyemi?
Genau der richtige! Ich bin glücklich, dass seine Eltern immer vernünftig geblieben sind und ihn nie dazu gedrängt haben, jetzt gleich nach England zu gehen. In Dortmund kann Karim den nächsten Entwicklungsschritt machen, sich im deutschen Spitzenfußball etablieren. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft im Winter und die EM 2024 in Deutschland ist das ideal. Irgendwann, da bin ich mir sicher, wird er eh in der Premier League spielen.
Was wird Haching mit den knapp sieben Millionen Euro anstellen?
Ein Drittel fließt in den Bilanzausgleich und in Rücklagen, ein Drittel ins NLZ und ein Drittel in die Infrastruktur und die erste Mannschaft. Entscheidend ist für mich die Botschaft, dass wir den Großteil des Geldes nachhaltig investieren. Wir wollen zur richtigen Zeit mit einem gesunden Fundament aufsteigen. Hauruck-Aktionen wird es in Haching nicht mehr geben.
Mit dem 16-jährigen Maurice Krattenmacher haben Sie ein weiteres Großtalent am Start. Der U17-Bundesliga-Torjäger kämpft ab kommender Woche mit der deutschen U17 in Israel um den EM-Titel.
Maurice wird wirtschaftlich eine ähnliche Größenordnung werden wie bei Karim. Er hat einen Vertrag bis 2025 und ich kann mir gut vorstellen, dass er in der neuen Saison in unserer ersten Mannschaft spielen wird. Vom Spielertyp her würde ich ihn am ehesten mit Marco Reus vergleichen.
Hat Salzburg ein Vorkaufsrecht?
Wir haben mit Salzburg sehr gute Erfahrungen gemacht, dort wird absolut seriös gearbeitet. Aber es gibt keinerlei vertragliche Vereinbarungen. Da wäre ich ein schlechter Geschäftsmann.
Wie wichtig ist Ihnen das Image der SpVgg Unterhaching als Talentschmiede?
Das ist unser Geschäftsmodell. So ein Image baust du dir nur mit kontinuierlichen Erfolgen auf. Karim ist kein Glückstreffer, keine Eintagsfliege. Maurice wird das nächste Ausrufezeichen. Und auch Konstantin Heide, unser U17-Torwart, ist schon in aller Munde. Dazu haben wir mit Daniel Bierofka als neuem U17-Trainer wieder ein Signal gesetzt. Haching ist eine Vorzeige-Adresse für den Nachwuchs, da werden wir weiter investieren. Du musst die Dinge selbst in die Hand nehmen. In Sachen Fernsehgelder erwarte ich vom DFB nicht mehr viel.
Interview: Ludwig Krammer