Mick Schumacher: Zoff mit seinem Chef

von Redaktion

München – Das Gesicht von Mick Schumacher (23) nach dem Rennen in Miami sprach Bände. Völlig frustriert suchte er nach Worten, seine Augen wirkten feucht. Da stand er kurz davor das erste Mal in seiner Karriere Punkte in der Formel-1-WM einzufahren. Dann warf er sie in der 54. Runde drei Umläufe vor Ende nach einem Crash mit Sebastian Vettel selbst weg.

Die Kurve gehörte für die meisten Experten Vettel. Der sah das zunächst genauso und fluchte über Funk: „Welche Lücke war das? Ich hab’ die nicht gesehen.“ Später schützte er sein Mündel. „Ich denke, es war ein klassisches Missverständnis. Ich konnte Mick nicht sehen. Sonst hätte ich ihm Platz gelassen. Es ist schade, weil es uns beide Punkte gekostet hat.“ Unsere Zeitung erfuhr: Es gab mittlerweile ein Gespräch zwischen den beiden – bei dem Vettel tröstende Worte fand. Vettels Aussagen während der Anhörung bei den Rennkommissaren sorgten zudem dafür, dass die die Kollision als normalen Rennunfall ansahen behandelt wurde.

Auch Alpine-Pilot Esteban Ocon (25) verteidigte Schumacher. Der Franzose ist sein bester Freund in der Formel 1. Die beiden verbringen viel Zeit auch in der Freizeit zusammen. Ocon fuhr direkt hinter den beiden Deutschen und gibt dem Streckenbelag in Miami die Schuld. Ocon: „Der Asphalt war eine komplette Katastrophe, denn wir konnten nicht überholen. Mick berührte Sebastian zum Teil deshalb, weil man nicht auf der Innenseite angreifen konnte, denn wenn man die Ideallinie verlässt, verliert man eine halbe Sekunde. Das funktionierte also überhaupt nicht.“

Haas-Teamchef Günther Steiner war allerdings extrem sauer. „Das haben wir nur uns selbst zuzuschreiben.“ Man habe die Chance gehabt, mit beiden Autos zu punkten. Stattdessen stehe man mit leeren Händen da – und mit einer Menge Schrott. Der Südtiroler: „So können wir keine Punkte verlieren“, sagt er in Richtung Schumacher nach dem Vettel-Crash. „Du musst dein Potenzial auch ausschöpfen“ Es bringe nichts, ein schnelles Auto zu haben, am Ende aber keine Punkte mitzunehmen. Steiner: „Wir können nicht immer sagen, dass es am nächsten Wochenende auch noch ein Rennen gibt, denn irgendwann ist die Saison vorbei.“

Micks Onkel Ralf Schumacher relativiert indes die Aussagen des für seine direkten und oft harschen Worte bekannten Steiners. Der Sky-Experte sagte uns: „Mick und Steiner passen vom Charakter her nicht zusammen. Ein nach außen harter Typ wie Kevin Magnussen liegt Steiner mehr.“ Was der sechsmalige GP-Sieger meint: Ferrari hat einen Kooperationsvertrag mit seinem „B-Team“ von Haas, der ihnen die Möglichkeit gibt, einen Fahrer bei dem US-Team aus ihrem Juniorkader zu besetzen. Schumacher sei in Steiners Augen deshalb ein Pflichtfahrer, aber kein Wunschpilot.  rb

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