Reisende soll man nicht aufhalten, heißt es. Und Reisende sollte man erst recht nicht aufhalten, wenn sie noch Einnahmen zwischen 30 und 40 Millionen Euro bringen würden. Die Zeichen stehen auf Abschied bei Robert Lewandowski und dem FC Bayern. Mehr denn je. Das hat der zweimalige Weltfußballer die Öffentlichkeit mit seinem Verhalten nach dem Spiel in Wolfsburg spüren lassen. Mit Tränen in den Augen ging er in die Münchner Kurve und applaudierte den Fans. „Gut möglich, dass es mein letztes Spiel für den FC Bayern war. Wir wollen die beste Lösung für mich und den Verein finden“, sagte Lewandowski nach der Partie.
Bleibt die Frage: Was ist die beste Lösung für beide Parteien? Die Münchner Verantwortlichen um Präsident Herbert Hainer, Vorstandschef Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic haben eine klare Haltung: Das Arbeitspapier des Polen läuft bis zum 30. Juni 2023 – und so lange wird Lewandowski in München bleiben (müssen). Fakt ist: Der Stürmer kam im Sommer 2014 ablösefrei von Borussia Dortmund an die Säbener Straße. Der 33-Jährige hat sich also – wirtschaftlich ausgedrückt – abgeschrieben. Darum müsste die Bayern-Führung keine Bauchschmerzen haben, sollte Lewandowski den deutschen Rekordmeister nächstes Jahr ablösefrei verlassen. Darüber hinaus hätten die Kaderplaner noch ein Jahr länger Zeit, adäquaten Ersatz für den Rekord-Torjäger zu finden.
Andererseits fährt der FC Bayern seit Beginn der Corona-Pandemie einen knallharten Sparkurs. Und wenn die Führungsetage konsequent bleiben will, kann nur ein sofortiger Abgang infrage kommen. Ein Verkauf von Lewandowski, der FC Barcelona gilt nach wie vor als Interessent Nummer eins, würde Millionen-Einnahmen generieren.
Darüber hinaus würde sich der Club ein Jahresgehalt von geschätzt 25 Millionen Euro (inklusive Prämien) sparen. Das würde dem Verein auf einen Schlag zwischen 55 und 65 Millionen Euro in die Kasse spülen – und Trainer Julian Nagelsmann und der Mannschaft einen Lustlos-Lewandowski ersparen. Nicht umsonst spricht Nagelsmann bereits von der anstehenden Stürmersuche: „Das ist der Job, den wir zu tun haben. Man muss versuchen, aus der Situation für die Zukunft das Beste zu machen.“
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