Was wäre eine Feier des eigenen Erfolgs ohne Schmähung eines anderen dafür, dass er gerade nicht diesen Erfolg erlebt? Sehr viel Erfolg hat gerade die Frankfurter Eintracht, deren Mannschaft und Fans nun einen gemeinsamen Sommerurlaub auf dem Römer verbringen werden; objektiv zwar keineswegs erfolglos, aber irgendwie halt auch nicht erfolgsbeseelt sind die Münchner Bayern. Und so ist seitens des In-Teams Eintracht gegen den Out-Club Bayern eine Spitze gesetzt worden. Martin Hinteregger gestaltete das Loblied auf seinen Torhüter Kevin Trapp in einer Form, die in München schnell mal als Bruch mit dem Grundgesetz interpretiert wird. „Neuer auf die Bank!“, forderte Hinteregger eine veränderte Keeper-Hierarchie in der deutschen Nationalmannschaft ein.
Das Thema ist eine heiße Herdplatte. Erinnern wir uns nur daran, wie Marc-André ter Stegen vor Jahren zart andeutete, gerne die deutsche Nummer eins sein zu wollen – und seine Ambition von den Medien aufgenommen wurde. Eine Kampagne der „westdeutschen Presse“ vermutete Uli Hoeneß damals; nun wird die „hessische Presse“ dahinterstecken. Zu beleuchten sein wird auch die Person des die Trapp-vor-Neuer-Forderung stellenden Martin Hinteregger. „Meines Wissens ist er Österreicher“, hören wir Karl-Heinz Rummenigge sagen, „und wie die deutsche Nationalmannschaft aufgestellt wird, ist exklusiv die Sache des deutschen Bundestrainers“. Denkbar, dass an die Social-Media-Abteilung des FC Bayern der Auftrag ergeht, doch einmal die kompromittierendsten Feierszenen von Hinteregger zusammenzustellen: Dieses Filmchen, wie er 2019 im Tiroler Sommertrainingslager des FC Augsburg übers Dorffest torkelt – 1a-Belastungsmaterial! „Hinti unter der Bank!“
„Neuer auf die Bank!“ – Wird mehr daraus als ein Liedchen in einer Frankfurter Siegesnacht? Wohl nicht. Denn der Charme des spontanen Liedes liegt ja darin, dass es mit einem Szenario spielt, das nicht eintreten wird – und selbst im engen Rahmen eines Ausnahmezustands einen offensichtlich ironischen Kontext hat. Wahrscheinlich wird es Kevin Trapp trotz seiner fantastischen Europa-League-Performance nicht einmal schaffen, beim DFB von der Nummer drei auf die zwei zu rücken. Neuers Herausforderer bleibt ter Stegen vom FC Barcelona. Vielleicht rühmt ihn demnächst Robert Lewandowski als besten Torwart der Welt – aber das wäre eine noch viel brisantere Geschichte als die mit „Hinti“.
Guenter.Klein@ovb.net