Tennis-Wachablösung

Federer, wo ist Federer?

von Redaktion

MATHIAS MÜLLER

Was macht eigentlich Roger Federer (40)? Er trifft Schauspielerin Anne Hathaway, macht Urlaub in Venedig und besucht die Schweizer Fußball-Nationalmannschaft. Zwischendrin streut er in den sozialen Netzwerken ein paar Videoschnipsel, die den Tennis-Superstar beim Training und auf dem Weg zu seinem Comeback zeigen. Nur, wann und ob es diese Rückkehr überhaupt noch einmal geben wird, scheint mit jedem Tag offener.

Es wäre schade, den so oft behänd schwingenden Maestro nicht mehr auf dem Platz zu sehen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Federer derzeit bei den French Open niemand so richtig vermisst. Das liegt an seinen ewigen Kontrahenten, dem wiedererstarkten Novak Djokovic (35) und dem leidenschaftlich gegen sein Ende kämpfenden Rafael Nadal (35). Aber auch an den jungen Wilden, die die Szene mehr und mehr aufmischen.

Olympiasieger Alexander Zverev (25), der Kurzzeit-Weltranglistenerste Daniil Medwedew (26) und Weltmeister Stefano Tsitsipas (23) haben schon aufgezeigt. Dahinter lauern Andrej Rublev (24), Denis Shapovalov (23), Félix Auger-Aliassime (21) und Jannik Sinner (20). Und seit Kurzem auch Casper Ruud (23), Holger Rune (19) und insbesondere Carlos Alcaraz (19). Der letztgenannte Spanier könnte vom Alter der Sohn von Federer sein. Auf dem Court aber agiert er mit einer Aggressivität und Abgebrühtheit, die bemerkenswert oft staunende Gesichter zurücklässt.

Im November 2021 kam es im Rahmen des Saisonfinals der besten Spieler unter 21 zum ersten Aufeinandertreffen im Erwachsenenbereich mit der Paris-Überraschung Rune. Alcaraz gewann in drei Sätzen. Gut möglich, dass sich die beiden noch ähnlich oft und heißblütig duellieren wie Nadal und Djokovic. Auch auf das nächste Match gegen Zverev dürften sich alle freuen, denn der gestrige Viertelfinal-Fight ließ keine Wünsche offen. Und Zverev hat endlich einmal wieder gezeigt, zu was er fähig ist, wenn er denn sein Potenzial auf den Platz bringt. Die ganze Tenniswelt spricht vom neuen Wunderkind, aber im Halbfinale steht völlig verdient der Deutsche und trifft auf einen Großen seiner Zunft.

Noch speist sich die Spannung stark aus den Generationen-Duellen, doch dem Tennissport muss auch nach dem absehbaren Ende der großen Vier – auch Andy Murray spielt noch mit künstlicher Hüfte – nicht bang sein.

mathias.mueller@ovb.net

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