München – Robert Lewandowski und Sadio Mané haben mehr gemeinsam, als sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Beide bringen einen gewissen Torinstinkt mit, beide befinden sich ein Jahr vor dem Ende ihrer Verträge auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber und beide greifen dafür zur Not auch zu etwas unkonventionellen Mitteln.
Eine ähnliche Schlammschlacht, wie sie dieser Tage zwischen dem Polen und seinem Münchner Brötchengeber stattfindet, provozierte der Senegalese nämlich bereits im Jahr 2014 – und zwar mit Erfolg. Nach zwei Jahren bei Red Bull Salzburg ließ sich Mané nicht mehr im Training blicken, erschien auch nicht zu anderen Terminen, worauf die Österreicher schließlich klein beigaben und den Stürmer an den englischen Erstligisten Southampton verkauften.
Die Bereitschaft, für die Erfüllung seiner Träume bisweilen auch mal die Ellbogen auszufahren, lernte Mané bereits in seiner Kindheit. Der heutige Weltstar kam nämlich in Sédhiou, einer Stadt im Süden des Senegals, als Sohn eines Imam auf die Welt. Dieser verbot seinem Sohn zunächst das Fußballspielen, nach dessen Tod trat Mané jedoch im Alter von sieben Jahren trotzdem gegen den Ball. Mit 15 flüchtete er in die Hauptstadt Dakar zu seinem Onkel, wo er auch am Probetraining einer Fußballakademie teilnehmen konnte. An das einschneidende Erlebnis, das für die spätere Weltkarriere ausschlaggebend war, erinnert sich der 30-Jährrige noch heute.
In einem Interview mit Goal meinte Mané: „Das ist jetzt vielleicht lustig – ich werde es nicht vergessen: Ein älterer Mann hat mich nur angesehen, als ob ich dort völlig verkehrt wäre. Er hat mich gefragt: ‚Kommst Du auch für die Tests?’ Ich habe Ja gesagt. Er hat mich gefragt: ‚Mit diesen Schuhen? Schau sie dir mal an. Wie soll man in denen spielen können?’ Die waren wirklich hinüber, kaputt und alt. Dann hat er noch gesagt: ‚Und mit dieser Hose? Du hast nicht mal richtige Fußball-Shorts?’ Ich habe ihm gesagt, dass es das Beste ist, was ich habe und dass ich einfach nur mitmachen will.“
Das, was jener Mann darauf von dem Burschen in den ramponierten Klamotten zu sehen bekam, sollte ihn jedoch schwer beeindrucken. Mané: „Er hat gesagt: ‚Dich nehm ich sofort. Du spielst in meiner Mannschaft.’ Nach diesem Probetraining bin ich in die Jugendakademie gekommen.“
Es begann ein kometenhafter Aufstieg, der Mané über Metz, Kooperationspartner der senegalesischen Fußballakademie, Salzburg, Southampton bis nach Liverpool zu Jürgen Klopp führte. Der deutsche Trainer hatte Mané bereits zu seinen Dortmunder Zeiten im Radar, lehnte eine Verpflichtung im Jahr 2014 jedoch überraschenderweise ab. „Es ist nicht die einzige falsche Entscheidung, die ich getroffen habe, diese konnte ich aber einige Jahre später korrigieren“, erklärte Klopp den „Fehler“ jüngst. Und machte den heutigen Afrikameister Mané 2019 mit den Reds zum CL-Sieger. 80 Millionen Euro ist jener Junge mittlerweile wert, der damals in Sédhiou barfuß und gegen den Willen seines Vaters gegen einen Ball trat. Seine nächste Station soll in München liegen. „Ich bedaure nichts und lebe meinen Traum“, sagte der einstige Straßenkicker neulich. Koste es, was es wolle.