München – Neulich in Chemnitz war die Geste plötzlich wieder da. Nihad Djedovic hatte gerade die beiden letztlich matchentscheidenden Dreier versenkt, da ging die Hand ans Ohr. Provokant lauschte der Kapitän der Basketballer des FC Bayern in Richtung Publikum. „Ok, das bin ich“, feixte er.
Doch in diesem Moment kam die Geste aus dem tiefsten Inneren. Weil Djedovic ahnte, dass es doch wieder etwas werden könnte. Dass er vielleicht doch wieder zu dem prägenden Spieler werden könnte, der er noch in den Finals 2019 gewesen war, als man ihn zum wertvollsten Spieler gekürt hatte.
Zwei Jahre lang war er seither vornehmlich mit leerem Blick hinter dem Korb gesessen, dort wo im Audi Dome die nicht spielfähigen Spieler sitzen. Angefangen hatte alles mit Kniebeschwerden, die ihn beim Laufen behinderten, Bis irgendwann die Horrordiagnose kam, die durchaus auch Karrieren beenden kann. Der Knorpel war beschädigt, erst im einen, dann im anderen Knie.
Wie schwer ihm der Kampf fiel, beschrieb der 32-Jährige dieser Tage im Club-Podcast „Open Court“. Immer wieder habe er ans Aufhören gedacht, Phasen von Frust und Tränen. „Wenn es so weiter geht, warum soll ich mich weiter quälen“, sagte er.
Der Umstand, dass er es doch getan hat, hat viele Väter. Die Familie, klar. Auch seine starke Verbindung zu Gott habe ihm geholfen. Djedovic ist tiefgläubiger Moslem, er begann fünfmal am Tag zu beten. „Dadurch habe ich mich sehr verändert. Ich habe mich gefunden“, erklärte er.
Und der Mann, den man wegen seiner Ähnlichkeit zum Kicker Ibrahimovic den Spitznamen „Zlatan“ anheftete, wusste einen Club hinter sich, der eisern hinter ihm stand. Allen voran Marko Pesic. Der Geschäftsführer ist gebürtiger Bosnier, wie er selbst. „Er ist für mich wie ein Bruder“, betonte er. Oft habe er in seiner Krisenzeit Pesic aufgesucht und nach seinem Rat gefragt.
Seine Liebe zum Verein, dem er nun schon neun Jahre angehört, hat das nur tiefer gemacht. „Wenn Marko zu mir käme und sagt ´Wir brauchen Blut‘, dann würde ich ihn fragen: Welchen Arm willst du?“ Vorläufig werden die Bayern mit seinen Punkten zufrieden sein. rp