Rafael Nadal

Keiner zeigt mehr Liebe zum Tennis

von Redaktion

THOMAS JENSEN

Vor der Verbeugung ein paar Widerworte, gerichtet an Rafael Nadal. Der hatte nach seinem heroischen Sieg über Novak Djokovic tatsächlich gesagt: „Es war nur ein Viertelfinale, nicht das Finale.“ Faktisch gibt es daran nichts zu rütteln. Doch dieses Match lässt sich nicht in solch banale Kategorien einordnen, es war viel mehr als ein Finale. Ähnlich merkwürdig wäre es, Nadal einfach als Sportler zu bezeichnen, ohne weitere Ausführungen.

Ja, die beiden Dauer-Konkurrenten haben sich schon viele wichtige Duelle geliefert. Oft durfte einer am Ende eine wichtige Trophäe in die Luft stemmen. Oft waren es Schlachten, die sich wegen ihrer schieren Länge und Intensität an der Grenze des Fassbaren bewegten, wie etwa das Finale von Melbourne 2012 mit einer Dauer von 5:53 Stunden. Diesmal begnügten sie sich mit 4:12 Stunden.

Doch in dieser magischen Nacht am Mittwoch kam zum gewöhnlichen Nadal-Djokovic-Zauber, dass beide aus sich gegenseitig das Allerbeste herauskitzeln, noch ein weiterer Reiz hinzu: Die unbändige Liebe zum Spiel.

Diese wurde vor allem in den Phasen sichtbar, als man merkte, dass die beiden den Großteil ihrer Erfolge hinter sich haben. Abgesehen von Ballwechseln, die so schon 2012 stattgefunden haben, gab es auch andere Szenen: In diesen spielte Djokovic nicht mehr so unbeirrt uhrwerkhaft ohne Patzer, wie es sein Markenzeichen ist, und auch der Spanier produzierte unnötige Fehler, haderte mit sich, spürte die Grenzen seines geschundenen Körpers – und wirkte in seinem Wohnzimmer schlagbar. Doch der Sandplatz-Gott zeigte, dass er bei den French Open eben nicht nur so unbesiegbar ist, weil er schlicht der Beste ist. Sondern auch, weil er wie kein anderer bereit ist, auf dem Platz zu leiden.

Wer der Größte aller Zeiten ist? Nie endgültig zu klären. Aber der Spieler, bei dem die Liebe zum Tennis am meisten sichtbar, am meisten greifbar wird, ist Rafael Nadal.

Alexander Zverev darf sich derartigen Schwärmereien für seinen kommenden Gegner freilich nicht hingeben. Er steht im Halbfinale gegen den 35-Jährigen vor einem der wichtigsten Spiele seiner Karriere – und er hat eine Chance. Denn der Mittwoch hat nicht nur gezeigt, dass Nadal schlagbar ist. Zverev hat durch seinen beeindruckenden Sieg gegen Carlos Alcaraz auch bewiesen, dass er endlich bereit ist, große Matches auch auf Grand-Slam-Ebene zu gewinnen.

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