Nadals Fußknochen stirbt ab

von Redaktion

Spanier leidet unter dem Müller-Weiss-Syndrom und bangt um weitere Karriere

München – Der größte Gegner Rafael Nadals zur Zeit ist nicht sein ewiger Kontrahent Novak Djokovic, den er in der Nacht auf Mittwoch schlug, und es wird auch nicht Alexander Zverev sein, im Halbfinale am Freitag. Es ist sein linker Fuß. Die Schmerzen, die dieser verursacht, sind nicht nur entscheidend für Matches, sondern auch darüber, wie lange der Spanier noch Tennis spielt.

„Ich habe, was ich habe in meinem Fuß. Wenn wir also nicht in der Lage sind, eine Verbesserung oder eine kleine Lösung dafür zu finden, dann wird es superschwer für mich“, sagte Nadal nach seinem dramatischen Sieg über den Serben. Der 35-Jährige leidet unter dem sogenannten Müller-Weiss-Sydrom.

Im vergangenen Jahr zwang die Krankheit ihn, seine Saison im August zu beenden. Wie schmerzhaft es für Nadal mitunter ist, sahen Tennisfans vor drei Wochen: Bei seiner Niederlage in Rom gegen Denis Shapovalov konnte er den Platz nur humpelnd verlassen.

Doch was ist das Müller-Weiss-Syndrom? Zunächst einmal ist es eine sehr seltene Krankheit, deren Ursache wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt ist, weiß Dr. Florian Dreyer, Chefarzt für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie am Artemed Klinikum München Süd. „Selbst wir, die nichts anderes machen als Chirurgie in diesem Bereich, sehen es nur sehr selten“, erzählt Dreyer und erklärt: „Es handelt sich um eine Durchblutungsstörung des Kahnbeins des Fußes.“

Das Kahnbein ist ein Knochen des unteren vorderen Sprunggelenks und zuständig für Pronation und Supination, also die „Einwärtsdrehung und Auswärtsdrehung des Fußes“, führt Dreyer aus: „Es ist für Ausgleichsbewegungen wichtig auf unebenem Gelände, aber auch für seitliches Gehen.“

Seitliche Bewegungen auch in höchster Geschwindigkeit, sie gehören zum Beruf Nadals. Zu den genauen Beeinträchtigungen des Sportlers möchte sich der Arzt aus der Ferne nicht äußern, ordnet jedoch ein: „Für manche ist die Krankheit nicht schlimm, sie können es durch gute Beweglichkeit ausgleichen“ Dies gilt allerdings nicht für alle Betroffenen, ergänzt er: „Bei symptomatischen Verläufen kann es zu Verformungen kommen, bis hin zur Zweiteilung, die auch das Gelenk schädigen. Das kann dann zu Schmerzen und zunehmenden Bewegungseinschränkungen führen.“

Linderung seien durch operative und nicht operative Maßnahmen möglich, geheilt werden kann der Fuß dadurch nicht. Wie schwer Nadals Ausprägung des Syndroms tatsächlich ist, kann nur gemutmaßt werden – seine Äußerungen legen jedoch nahe, dass es keine harmlose ist. THOMAS JENSEN

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