München – Es war vorigen Sommer, und man kann die Bilder und Geräusche nicht vergessen, die Ungarns Fußball-Fans bei der Fußball-Europameisterschaft schufen. In den Heimspielen gegen Portugal und Frankreich, im letzten Gruppenmatch in München. Die Corona-Einschränkungen waren in Ungarn damals schon fast alle gefallen, die Puskas-Arena durfte gefüllt werden, doch es wurde kein Fest der Lebensfreude gefeiert, sondern der Gehässigkeit zelebriert. Frankreichs Star Kylian Mbappé wurde mit Affenlauten konfrontiert. Es war klar, dass die UEFA das nicht würde durchgehen lassen.
Die Summe aus rassistischen Anfeindungen während der EM 2021 und ähnliche Vorfälle im WM-Qualifikationsspiel gegen England im Herbst führten zu einer Zuschauer-Sperre für drei Heimspiele in einem UEFA-Wettbewerb, das dritte (es wird das am kommenden Samstag gegen Deutschland sein) zur Bewährung ausgesetzt. Zugelassen gewesen wäre zum Auftakt der Nations League nur ein Kontingent an Medien. Darauf hatten sich auch die Engländer eingestellt – bis Trainer Gareth Soutghate von der Trickserei der Ungarn erfuhr. Sie nutzten ein Schlupfloch in den UEFA-Regularien. Kinder bis zu 14 Jahren dürfen ins Stadion, 30 000 Freitickets wurden verteilt. Und auf zehn Kinder war eine erwachsene Begleitperson erlaubt. Eine friedlich-fröhliche Kulisse hätten die Engländer akzeptiert – doch was dann geschah, machte ihnen zu schaffen.
Es hat sich bei den Three Lions eingespielt, dass sie vor dem Anpfiff auf die Knie gehen. Es ist ein weltweiter Code gegen Rassismus und jedwede Form von Diskriminierung. „Wir wollen Leute erziehen und das Bewusstsein schärfen“, erklärt Southgate. Kinder sind gerecht, sie müssten das verstehen. Doch die ungarischen Kinder in Budapest buhten und pfiffen die Engländer aus. Southgate ist empört: „Die Kinder werden offenbar von den Erwachsenen beeinflusst.“
Southgate weiß: Die eigene Gesellschaft ist nicht frei von Vorbehalten. Nach dem verlorenen EM-Finale von Wembley waren junge dunkelhäutige Nationalspieler, die Elfmeter verschossen hatten, angefeindet worden. Umso wichtiger ist Aufklärung. Die deutsche Nationalmannschaft steht an Englands Seite: Vor dem EM-Achtelfinale hatte sie sich der „Take a knee“-Aktion angeschlossen – sie wird es nun wieder tun. Ilkay Gündogan: „Keiner in der Mannschaft ist dagegen.“
Unangenehm war für die DFB-Auswahl der Empfang am Samstag in von Bologna. Als die Nationalhymne gespielt wurde, ertönten Pfiffe von den Rängen. Die italienischen Spieler klatschten demonstrativ dagegen an, immer mehr Zuschauer machten mit. Eklat abgewendet.