Die Bayern müssen in die Verlängerung

von Redaktion

80:83 – Basketballer verlieren beide Heimspiele gegen die Baskets Bonn – nun wartet Partie 5

VON PATRICK REICHELT

München – In den Schlusssekunden hat Ognjen Jaramaz noch einmal alles auf eine Karte gesetzt. Verzweifelt rannte der Serbe in Richtung Korb. Doch er rannte sich im kantigen Bonner Michael Kessens fest. Und plötzlich war es amtlich. Die Basketballer des FC Bayern verloren auch das zweite Heimspiel gegen Bonn, mit 80:83. 2:2 also in der Halbfinalserie – am Mittwoch muss ein fünftes Spiel in Bonn über den Herausforderer von Titelverteidiger Berlin entscheiden.

Bayern-Coach Andrea Trinchieri war entsprechend bedient: „Wir haben vor allem unsere Defensive nicht so gespielt wie in Bonn“, sagte er, „jetzt haben wir ein fünftes Spiel, in dem wir viel besser spielen müssen, wenn wir etwas gewinnen wollen.“

Trinchieri hatte nach dem 84:86-Drama in Spiel drei am Samstag auch die tiefe Verbeugung seines Bonner Widerparts Tuomas Iisalo kaum besänftigen können („Es ist großartig, gegen eine europäische Legende coachen zu dürfen“). „Es war unser schlechtestes Spiel“, murrte er, „wir müssen schnell die richtigen Schlüsse ziehen.“

Der auffälligste Schluss, den er vor der Extrarunde am Montagabend selbst zog: Er nahm Rückkehrer Zan-Mark Sisko zu Gunsten von Augustine Rubit wieder aus dem Kader. Das war irgendwo naheliegend. Sisko hatte nach seinen Rückenproblemen ein reichlich unglückliches Comeback gegeben. Klar, er erhoffte sich davon mehr Wucht am Korb. . Und es zeigte sich schnell: Das war keine schlechte Überlegung. Rubit gab den Bayern Stabilität bei den Rebounds, mit denen man die dritte Partie aus der Hand gegeben hatte.

Das Problem: Die Bayern funktionierten der Defensive nicht. „Ein paar Prozent weniger Aufwand“, hat Co-Kapitän Lucic ausgemacht. Was für ein Unterschied zum Halbfinalauftakt in Bonn, als die Bayern eine wahre Demonstration von Euroleague-Abwehrarbeit geliefert hatten. Zwar entschied Nick Weiler-Babb auch das vierte Duell der Doppelnamen mit Liga-MVP Parker Jackson-Cartwright über weite Srecken für sich. Doch Bonn kann auch anders. Am Samstag hatte BBL-Oldie Karsten Tadda erst mit einem Dreier, dann mit dem „ersten Block seit eineinhalb Jahren“ gegen Weiler-Babb den Sieg klargemacht. In Spiel vier bereiteten vor allem Javontae Hawkins (13 Punkte) und Jeremy Morgan (16) den Gastgebern einiges Kopfzerbrechen.

Natürlich justierten die Bayern nach Trinchieris Pausenansprache nach. Die Intensität der Defensive stieg. Doch die Sache blieb eng. Es entwickelte sich ein Playoff-Drama, bei dem im Schlussviertel keiner der 5757 Zuschauer mehr sitzen blieb.

Bis den Bayern innerhalb von nur zwei Minuten die Partie entglitt. Hinten fing man sich einen Dreier von Sauilias Kulvietis ein. Vorne leistete man sich gleich drei Ballverluste in Folge. Aus einem 70:70 wurde so ein 70:78. Acht Punkte Rückstand, die die Münchner mit auf die Zielgerade, die letzten vier Minuten, nahmen.

Wie schon am Samstag in ähnlicher Lage bissen sich die Bayern noch einmal heran, doch am Ende war die Hypothek erneut zu groß weil Parker Jackson-Cartwright gegen einen, in Foulbedrängnis spielenden Nick Weiler-Babb von der Dreierlinie einen seiner wenigen Geniestreiche dieser Serie lieferte. „Jetzt haben wir ein Spiel fünf“, sagte Trinchieri, „wer Angst davon hat, soll zuhause bleiben.“

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