Ein 15-jähriges Kind, das wegen Dopingvorwürfen maximal im Rampenlicht steht, am Druck zerbricht, weint, von einer unbarmherzigen Trainerin nicht getröstet wird – und das alles vor einem Millionenpublikum. Die Szenen beim olympischen Wettkampf der Russin Kamila Walijewa in Peking waren herzzerreißend. In dieser Form dürften sie sich nun nicht wiederholen. Die Internationale Eislaufunion hat das Mindestalter für Spitzenwettbewerbe auf 17 Jahre angehoben. Das ist richtig und sogar vorbildhaft für andere Sportarten.
Denn geschützt werden sowohl Geist als auch Körper der Kinder und Jugendlichen. Der Geist, da die Sportler erst später mit dem Druck der großen Bühne konfrontiert werden – und nicht schon in einem Alter, das eigentlich der Unbeschwertheit gehören sollte, in dem sich der Charakter in Ruhe entwickeln sollen dürfte. Der Körper, da die Verlockung des Dopings für Trainer und Funktionäre erst später an Gewicht gewinnt.
Natürlich kann man argumentieren, dass das Mindestalter von 17 Jahren noch nicht genug sei. Auch 17-Jährige sind keine Erwachsenen, auch sie entwickeln sich noch zu selbstständigen Menschen und müssen besonders geschützt werden. Als „Augenwischerei“ bezeichnet der frühere Eiskunstlauf-Europameister Norbert Schramm daher den Entschluss, er bringe „noch gar nichts“. Er wünscht sich eine Anhebung auf 18 oder 21 Jahre.
Das Problem: Egal welches Alter man festsetzt, es wird wohl leider immer Fälle geben, von jungen oder auch älteren Erwachsenen, die nicht mit den Belastungen der modernen Sportwelt zurechtkommen. Die Beispiele von Athleten mit psychischen Problemen sind zahlreich: Naomi Osaka, Simone Biles, Michael Phelps, Sven Hannawald… Man könnte die Liste leider noch fortführen. Ob man ihnen geholfen hätte, wenn man sie erst Jahre später auf die Bühne des Profisports gelassen hätte, ist fraglich, irgendwann muss es soweit sein.
Dass über das richtige Alter trotzdem weiter diskutiert wird, ist wichtig. Hoffentlich hält die Debatte auch in andere Sportarten Einzug. In vielen, bei denen Stabilität in Zweikämpfen keine große Rolle spielt, werden oft zu junge Menschen dem Publikum präsentiert. In Tokyo vergangenen Sommer haben etwa bei den Skateboardwettbewerben der „Frauen“ drei Dreizehnjährige die Hälfte der sechs Medaillen gewonnen. Die Alter der Anderen: 14, 16 und 19. Mag sein, dass die noch junge olympische Disziplin nicht durch überehrgeizige Trainer- und Elternfiguren geprägt ist, und es die Kinder dort leichter haben. Doch was ist, wenn sich das ändert? Lieber Kamila-ähnliche Fälle durch Regeln verhindern, anstatt erst zu reagieren, wenn die Tränen schon getrocknet sind– das sollte für alle Sportverbände gelten.
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