Meist ist Ex-Rennfahrer Timo Glock (40) in der Rolle des TV-Experten zu sehen. Kommendes Wochenende gibt er allerdings sein Comeback als Gaststarter bei der DTM. Darüber und die aktuelle Formel 1 Saison von Mick Schumacher und Sebastian Vettel hat er mit unserer Zeitung gesprochen.
Herr Glock, wie ist die Idee zu Ihrem DTM-Comeback in Imola entstanden?
Das kam spontan. Bei einem Test haben mein Teamchef Roberto Ravaglia und ich umhergeflachst, dass wir irgendwann zusammen noch mal ein Rennen bestreiten müssen. Imola ist dafür die perfekte Rennstrecke, so haben wir das Paket mit BMW geschnürt.
Ist die Vorfreude groß?
Ich bin zwar erst ein halbes Jahr draußen aus der DTM; aber der M4 ist noch mal ein anderes Auto als der M6. Das Team hat allerdings noch nie wirklich mit Michelin-Reifen gearbeitet. Das wird also eine Riesen-Herausforderung.
Aber es gibt ja noch eine andere Sportart, die Sie jetzt sehr professionell betreiben: Tischtennis! Auf Sky fordern Sie die Formel-1-Stars heraus. Wie kamen Sie auf die Idee?
(lacht): Die Idee kam letztes Jahr von Sky. Wir haben uns gefragt, wie wir Interviews mal etwas lustiger gestalten könnten. Ich bin begeisterter Dart-Spieler, also haben wir damit angefangen. Für dieses Jahr mussten wir uns was Neues einfallen lassen und die Tischtennis-Idee kam von Ralf Schumacher. Aber ich muss feststellen: Tischtennis spielen und gleichzeitig Fragen stellen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das gilt aber auch für die Fahrer. Da gibt es entweder Denkpausen oder Fehler (lacht).
In Monaco haben Sie Mick Schumacher die erste Niederlage des Wochenendes zugefügt. Danach ging es für ihn nicht so toll weiter
Hmmm… Ich darf das ja gar nicht so laut sagen, aber alle Fahrer, die gegen mich verloren haben, haben nie einen guten Sonntag gehabt – mit Ausnahme von Nico Hülkenberg. Das hängt den Fahrern offenbar länger im Kopf drin.
Bleiben wir bei Schumacher, dem Sie früher immer mal wieder geholfen haben. Schmerzt es Sie, wie gerade auf ihn eingedroschen wird?
Das ist natürlich keine leichte Situation für ihn. Aber: Am Ende zählen die Ergebnisse. Ich habe damals bei dem ein oder anderen Rennen Zeit mit ihm verbracht und dann ist es natürlich nicht schön zu sehen, wie er kritisiert wird. Zumal ich weiß, wie es in den ersten zwei Jahren ist, als Neuling in der Formel 1. Da gibt es viele Themen, von denen man nie gedacht hätte, dass sie so eine Wirkung auf einen haben. Besonders, wenn nach einem guten ersten Jahr in der zweiten Saison ein schneller Teamkollege um die Ecke kommt und zeigt, wo es langgeht. Allein dieser Moment erhöht subjektiv den Druck. Im Anschluss vom Teamkollegen zu lernen und das Erlernte umzusetzen, geht einfach nicht von heute auf morgen.
Aber dabei muss auch das Team helfen.
Genau. Ich finde es deshalb unfair, nur auf ihn draufzuhauen. Auch das Team hat den ein oder anderen Fehler gemacht. Wie in Barcelona: Da wurde das Getriebe gewechselt und meines Wissens zufolge die falsche Feder eingebaut. Da wird dann nicht groß drüber gesprochen. Klar, gewisse Fehler dürfen Mick nicht passieren, das weiß er als Rennfahrer aber schon selbst. Ich bin mir sicher, dass er das für sich analysiert und einen Ausweg findet.
Wie bewerten Sie seinen puren Speed?
Auch da fehlen ihm die entscheidenden Zehntel auf Kevin Magnussen. Ich glaube, dass er den Speed durchaus hat. Die zwei, drei Zehntel, die manchmal fehlen, kommen, weil er denkt, er muss es jetzt mit der Brechstange versuchen. Wenn der Knoten mal geplatzt ist, er den Teamkollegen schlägt oder die ersten Punkte holt, wird es deutlich einfacher für ihn.
Kommen wir zu Ihrem anderen Kumpel aus Hessen. Hat Sebastian Vettel nach einem vermasselten Saisonstart durch Corona und ein schlechtes Australien-Rennen die Kurve gekriegt?
Sagen wir mal so: Da kehrt jetzt langsam ein wenig Ruhe ein. Deshalb bin ich mir sicher, dass er auf dem richtigen Weg ist. Die Frage ist: Wie viel Performance hat Aston Martin noch in der Hinterhand, um einen weiteren Schritt nach vorne zu machen? Das ist mit der Budget-Obergrenze nicht so leicht. Aber ich glaube, man ist auf dem richtigen Weg.
Auch hinsichtlich einer Vertragsverlängerung mit Vettel?
Ich glaube schon, dass er weiterhin motiviert ist. Sonst würde er sich nicht so ins Zeug legen. Wenn er sieht, dass die Voraussetzungen da sind, ein gutes Paket zu haben, bin ich mir sicher, dass er weitermachen wird.
Interview: Ralf Bach