Mönchengladbach – Und es ist dann doch noch Sommer geworden im von einigen Wolken verhangenen deutschen Fußball. Die deutsche Nationalmannschaft hat die stressige Phase von vier Spielen in der Nations League zu einem guten Ende gebracht. Das 5:1 (2:0) gegen Italien war der erste Sieg nach drei teils ärgerlichen Unentschieden, die Option auf den Gruppensieg in den im September folgenden Partien gegen Ungarn und in England bleibt gewahrt. Notte Magica in Mönchengladbach, die Tore steuerten Werner (2), Kimmich, Gündogan (Elfmeter) und Müller bei.
Was ist der beste Weg, einem 1:1 zu entgehen, wenn es das Ergebnis ist, das zur Chiffre der spielerischen Stagnation geworden ist? Man sorgt für ein schnelles 2:0. Es lief in dieser Hinsicht gut: Bevor die deutsche Mannschaft sich in der Kabine 15 Halbzeit-Minuten lang mit Wiederholung-von-Bologna-München-Budapest-Szenarien beschäftigen musste, sorgte sie für seelische Erleichterung. Mit etwas glücklichem Beistand. Nach einer Strafraumaktion von Italiens Verteidiger Bastoni gegen Jonas Hofmann wurde auf Strafstoß entschieden, Ilkay Gündogan verwandelte ihn in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs zum 2:0. Das 1:1 war dadurch vom Tisch.
Dass die Deutschen sich nicht noch einmal einen faden Auftritt wie gegen Ungarn leisten wollten, war schon in den ersten Minuten absehbar. Hansi Flick achtete bei seiner Aufstellung nicht auf die öffentliche Meinung und ließ die umstrittenen Leroy Sané und Timo Werner spielen, die dann auch aktiv auftraten – in beide Richtungen, mit Fehlpässen und mit gewinnbringenden Aktionen. Von ein paar statischen Phasen abgesehen hatte die DFB-Elf viel Bewegung im Spiel – und einige Kombinationen im Repertoire. Eine, eingeleitet von Niklas Süle. Führte über Sané und Linksverteidiger David Raum zu Joshua Kimmich, der sich in Mittelstürmerposition den Ball noch kurz zurechtlegen konnte, ehe er Italiens Keeper Gigi Donnarumma überwand (10.). Einige Abschlüsse – vor allem die von Sané – waren knackig, aber nicht präzise genug. Auch Timo Werners Schuss aufs Eck (40.) war so, dass Donnarumma noch rankommen konnte. Doch das sollte alles besser werden.
Einer der auffälligsten deutschen Spieler Manuel Neuer. Der Kapitän und Torwart war bei einigen Nachlässigkeiten seiner Feldspieler gefordert. Die Doppelparade gegen Raspadori und Gnonto (8.) war ein Meisterwerk, das sich in die formidable Neuer-Ausstellung dieses Sommers fügte, stark spielte er in der 29. Minute mit dem Fuß, als Niklas Süle einer leicht skurrilen Rückpass-Idee folgte. Pure Magie war, wie Neuer in der 55. Minute einen Ball von der Torlinie kratzte. Fast schade, dass von ihm unbemerkt auf italienisches Abseits entschieden worden war. Im Gladbacher Stadion gleichwohl „Manuel Neuer“-Sprechchöre, denn alle spürten, dass die drei Punkte schon in der Tüte steckten.
Kurz zuvor hatte Thomas Müller mit triumphierender Geste sein 45. Länderspieltor und das 3:0 (51.) gefeiert. Italien, nicht top-prominent besetzt, aber mit Inter-Roma-Napoli-Flair, fiel auseinander. Zu leicht konnten sich die Deutschen durch die Azzurri-Abwehr kombinieren. Und auch wenn Sané weiter die Präzision fehlte – Werner spielte sich von seinen Beklemmungen frei, sorgte für das 4:0 (68.) und 5:0 (69.). Ein Kraftakt, der die Wahrnehmung von vor ein paar Tagen korrigierte. Zwei Gegentore (78., Gnonto, 94, Bastone) vermiesten Manuel Neuer ein klein wenig die Laune.