Mit dem Rücken zur Wand

von Redaktion

Bayerns Basketballer verlieren auch das zweite Finale gegen ein meisterliches Berlin

VON PATRICK REICHELT

München – Im Schlussviertel stand die Fangemeinde im Audi Dome noch einmal auf ihren Sitzen und beklatschte, was zu beklatschen war. Doch durch die Arena am Westpark wehte zu diesem Zeitpunkt längst ein Hauch von Abschied. 58:71 (26:38) verloren die Basketballer des FC Bayern auch Finale Nummer zwei. Die Endspielserie zieht am Freitag wieder nach Berlin weiter. Viel spricht nicht dafür, dass sie von dort noch einmal zurückkommt.

„Wir stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand“, sagte Trainer Andrea Trinchieri, „am Freitag erwartet uns Euphorie, jeder erwartet, dass sie die Trophäe bekommen, Da müssen wir unseren Mann stehen“.

Eigentlich hatte man sich beim FC Bayern ja ausgerechnet, dass die freien Tage nach dem Finalauftakt das Team in einen besseren Zustand versetzen würden. Doch das Gegenteil passierter. Vladimir Lucic konnte nicht mittun. Offiziell wurde das Fehlen des Leitwolfs mit Adduktorenproblemen begründet. Doch die Spatzen pfiffen etwas anderes von den Dächern: Der Serbe habe sich mit dem Coronavirus infiziert. Einerlei: Nach Darrun Hilliard und Corey Walden also der dritte „Unterschiedsspieler“ raus. Man merkt: Die Bayern sammeln keine Argumente, dass diese Finalserie für sie noch ein gutes Ende nehmen könnte.

Wobei sich Endspiel Nummer zwei trotzdem gar nicht einmal schlecht anließ. Zumindest packten die Münchner in der Defensive weit besser zu als am Freitag, als man in einen schweren Berliner Dreierhagel geriet. Allein: Die Bayern versäumten es, vorne aus der harten Defensivarbeit Kapital zu schlagen. Dreier? Wollten nicht fallen. Zur Pause saßen ganze zwei. Und auch aus kurzer Distanz ließen Deshaun Thomas, Othello Hunter reichlich liegen. 26 Punkte zur Pause – viel, viel zu wenig um Ansprüche stellen zu können.

Das musste sich rächen und es rächte sich. Weil die Albatrosse vom zweiten Viertel an ihre Kombinationsmaschine anwarfen. Der Ball kreiselte immer schneller durch die gelben Reihen. So wie ein Ball eben läuft, bei einer Mannschaft, die national seit 18 Spielen nur Siege sammelte. Schnell war der Abstand zweistellig (26:38).

Und das ist das Bemerkenswerte: Auch Alba hatte ja die Doppelbelastung mit der Euroleague, wenn auch ohne Playoff-Teilnahme. Aber wie schon im Vorjahr haben es die Hauptstädter mit neuem Trainer und neuem Team verstanden, in der Endphase der Saison am besten zu funktionieren. Klar. die Bayern kämpften, holten mit der ein oder anderen gelungenen Aktion in Halbzeit zwei auch die 6500 im diesmal ausverkauften Audi Dome ins Boot. Deshaun Thomas etwa, der es mit 13 Punkten noch zum Topscorer brachte. Doch letztlich fehlten die Mittel um den souveränen Wohl-Bald-Wieder-Meister aus Berlin noch einmal ernsthaft zu gefährden.

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