Berlin – Der ehemalige ukrainische Fußball-Nationaltrainer Andrej Schewtschenko hält sein Land vor dem Hintergrund der russischen Invasion für ein wertvolles potenzielles Mitglied in der Europäischen Union. Die Ukraine zahle einen sehr hohen Preis, um sich als würdiges Mitglied der europäischen Familie zu erweisen, sagte der einstige Nationalspieler im Interview der „SZ“. „Fakt ist: Die Ukraine verteidigt die demokratischen Werte der EU – und die Freiheit. Mein Land hat es verdient, Teil einer großen europäischen Familie zu sein, und glauben Sie mir: Mein Land hat ein riesiges Potenzial, die EU zu stärken“, betonte er.
Den Tag, an dem Russland den Krieg in der Ukraine begonnen habe, „war der schlimmste Tag in meinem Leben“, sagte der 45-Jährige. Der einstige Stürmer – der unter anderen beim AC Mailand und beim FC Chelsea spielte – will dennoch nicht in sein Land zurückkehren, um dort zu kämpfen. Er habe viel darüber nachgedacht, dann aber nach vielen Gesprächen unter anderem mit den ehemaligen Box-Weltmeistern Vitali und Wladimir Klitschko entschieden, im Ausland Gelder für humanitäre Hilfe zu sammeln. „Jeder hat seinen Platz: Der eine an der Front, andere an anderen Orten. Ich glaube, dass ich das Richtige tue“, sagte er.
Schewtschenko, der nach eigener Aussage immer noch als Trainer beim FC Genua unter Vertrag steht, der ihn Mitte Januar freigestellt hatte, engagiert sich für die Organisation United24. Diese wurde vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ins Leben gerufen und sammelt Geld für medizinische Hilfe, aber auch die Verteidigung und den Wiederaufbau des Landes.
„Ich kümmere mich darum, Gelder zu sammeln, vor allem für medizinische Hilfe“, sagte Schewtschenko. Und weiter: „Um die anderen Felder kümmert sich die Regierung.“ Bei einer kürzlichen Auktion in London seien eine Million Pfund erzielt worden.