Semechins Sieg über sich selbst

von Redaktion

Krebskranke Para-Schwimmerin holt WM-Silber

Madeira – Völlig entkräftet hievte sich Elena Semechin aus dem Becken. Nach der 100 Meter langen Qual musste sie erst einmal zu sich kommen – doch prompt lagen ihr Ehemann Phillip und Bundestrainerin Ute Schinkitz in den Armen: Platz zwei, winzige 0,02 Sekunden hinter der Erstplatzierten. „Diese Silbermedaille bedeutet mehr als 100 andere Goldene“, verriet die Paralympics-Siegerin.

Dass sie auf Madeira über 100 m Brust den dritten WM-Titel ihrer Karriere hinter Colleen Young (USA) nur allzu knapp verpasst hatte, sorgte nur einen Moment lang für Enttäuschung. „Ich weiß, dass das eine hervorragende Leistung war,“, sagte Semechin. Die Medaille sei nicht weniger als „ein Statement, dass ich noch da bin“,.

Selbst ohne Edelmetall wäre die sehbehinderte Schwimmerin allein durch ihren Start schon eine Siegerin gewesen. Schließlich hatte Semechin im Oktober wenige Wochen nach ihrem Tokio-Gold die niederschmetternde Hirntumor-Diagnose erhalten. Anfang November folgte die Operation, fünf Monate später das sensationelle Comeback.

All den kräftezehrenden Bestrahlungen durch die Chemotherapie zum Trotz ließ sie sich nie von ihrem WM-Traum abbringen. Willensstark kämpfte sie sich durch das Finale. „Die letzten 40 Meter waren schlimm, ich wollte nur noch ankommen“, sagte Semechin.

Kein Wunder, dass sie einfach nur erleichtert war, als sie endlich im Ziel anschlug – und realisierte, was ihr Kraftakt wert war. 1:14,81 Minuten – nur gut eine Sekunde langsamer als in Toki

Damit gewann sie nicht nur ihre vierte Medaille bei Weltmeisterschaften, sondern schöpfte auch Zuversicht für den Kampf außerhalb des Wassers. Am Samstag geht die Chemotherapie weiter. sid

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