Tampa/Köln – Der „Mittwochabend-Klub“ traf sich allwöchentlich im Reno’s East, einer Sportsbar in East Lansing/Michigan – zu Hamburgern, Pommes und Diskussion über College-Eishockey. Sportjournalisten, Teammitglieder der Michigan State University – und ein Rechtsanwalt namens Jon Cooper.
Der gebürtige Kanadier, der an der Wall Street gearbeitet hatte, verdingte sich als Pflichtverteidiger, um finanziell über die Runden zu kommen. Eishockey hatte Cooper selbst zwar auch gespielt, zuletzt jedoch an der High School. Und ohnehin war er im Lacrosse talentierter und gewesen.
Mehr als 20 Jahre später schickt sich Cooper an, NHL-Geschichte zu schreiben. Mit Titelverteidiger Tampa Bay Lightning will der 54-Jährige zum dritten Mal in Serie den Stanley Cup gewinnen – als erster Coach seit 40 Jahren.
„Manchmal frage ich mich: Wie bin ich eigentlich zum NHL-Trainer geworden?“, sagte Cooper, „ich habe nie davon geträumt, daran gedacht oder es mir als Ziel gesetzt.“ Seinen ungewöhnlichen Karriereweg hat er einem Richter zu verdanken, der ihm den Job als Pflichtverteidiger für 1500 Dollar im Monat besorgte – und dann fragte, ob er nicht das High-School-Team seines Sohnes trainieren wolle.
Cooper sagte ja und kümmerte sich tagsüber um Verkehrssünder und abends um die Eishockeyspieler der Lansing Catholic High. Mit Erfolg, er führte die Cougars zum Titel – und bekam einenVollzeitjob als Trainer. In Texarkana/Texas, in der Juniorenliga NAHL. Die nächsten Erfolge brachten ihn weiter: über die St. Louis Bandits und die Green Bay Gamblers in die zweitklassige AHL, wo er in Norfolk und Syracuse die Farmteams von Tampa Bay trainierte. Im März 2013 beförderte ihn Lightning zum NHL-Chefcoach.
Der Erfolg blieb ihm treu. Nachdem seine Teams den Silver Cup, den Robertson Cup, den Clark Cup und den Calder Cup gewonnen hatten, hielt er 2020 auch den Stanley Cup in den Händen. „Ich liebe das Coaching“, sagte er, „ich bin von Team zu Team gegangen, und plötzlich war ich ganz oben.“ sid