Das deutsche Duell fällt ins Wasser

von Redaktion

SCHWIMM-WM Youngster Lukas Märtens enttäuscht über 800 Meter, Florian Wellbrock im Finale

Budapest – Nach seinem gelungenen WM-Start warf Florian Wellbrock einen kurzen Blick auf den Monitor und sah Lukas Märtens in Schlagdistanz zu den Titelkandidaten. „Das sieht gerade ganz gut aus, was er macht“, sagte der Olympiasieger zuversichtlich. Doch als er zum Ausschwimmen verschwand, entwickelte sich im letzten 800-m-Vorlauf ein kleines Drama um den deutschen Shootingstar – und das mit Spannung erwartete Finalduell zwischen Wellbrock und Märtens fiel ins Wasser.

Während Wellbrock als Vorlaufzweiter seine Medaillenambitionen eindrucksvoll unterstrich, brach Märtens nach etwa der Hälfte der Strecke komplett ein. „Es war einfach leer im Tank, da ging wirklich nichts mehr“, erklärte der 20-Jährige, der zum WM-Auftakt über die halbe Distanz noch Silber gewonnen hatte. Am Ende blieb Märtens knapp 14 Sekunden über seinem im April geschwommenen deutschen Rekord. Der Weltjahresbeste hatte wegen seines Starts im 200-m-Finale am Montagabend (er erreichte Platz sieben) auch nicht taktiert und frühzeitig rausgenommen. „Da bringt es nichts zu pokern“, sagte Märtens: „Ich wollte ins Finale kommen, aber es hat nicht gereicht.“

Deutlich frischer wirkte Wellbrock nach seinem ersten WM-Einsatz in der Duna Arena. „Es war grundsolide“, sagte der Doppel-Weltmeister von 2019. Das Vorlauf-Aus bedauerte er, denn zu großes Konkurrenzdenken innerhalb des Teams ist ihm fremd. „Wir sprechen uns ab, haben Kontakt auf Augenhöhe“, berichtete Wellbrock. Es gebe ein „sehr faires Miteinander“ – auch mit Michailo Romantschuk. Der Ukrainer schloss sich nach Kriegsbeginn auf Wellbrocks Einladung der Magdeburger Trainingsgruppe an.

„Ansonsten wäre ich jetzt nicht hier“, sagte der Doppel-Europameister, der Wellbrock als Vorlaufgewinner um fünf Hundertstelsekunden distanzierte. „Großen Dank an das deutsche Team, an Florian und Lukas, sie haben mir sehr geholfen“, ergänzte Romantschuk.

Der zweifache Olympia-Medaillengewinner von Tokio nutzte die WM-Bühne auch, um nochmal auf das Leid in seiner Heimat aufmerksam zu machen. „Es ist Krieg. Dafür gibt es nur ein Wort“, sagte Romantschuk: „Wir verteidigen nicht nur die Ukraine, sondern auch Europa.“

Er wisse von „mehr als zehn Leistungssportlern, die in diesem Krieg gestorben“ seien. Daher könne er die Meinung mancher Leute, der Sport sei unpolitisch, überhaupt nicht nachvollziehen. „Das ist nicht wahr“, sagte der 25-Jährige, „Sport ist die größte Politik.“

Anna Elendt bescherte dem Deutschen Schwimm-Verband indes die zweite Medaille in Budapest. Die 20-jährige Frankfurterin schwamm über 100 Meter Brust auf Rang zwei. In 1:05,98 Minuten musste sie lediglich der Italienerin Benedetta Pilato um fünf Hundertstelsekunden den Vortritt lassen.  sid

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