Es war die Schlussminute, das Finale gegen Alba Berlin war für die Basketballer des FC Bayern längst verloren, da erlebte der Audi Dome doch einen kleinen Moment der Hoffnung. Paul Zipser nahm an der Dreierlinie Maß, der Ball segelte wie an der Schnur gezogen in Richtung Korb und flutschte schließlich durch die Reuse. Es war Zipsers erster Korb an diesem Tag. Das war keine Überraschung, er hatte gerade einmal dreieinhalb Minuten mittun dürfen. Doch es war ein Moment, der Erinnerungen weckte an die Zeit, in der Zipsers Welt noch die des normalen Sportlers gewesen war.
In der Rückrunde, beim Heimspiel gegen die Hamburg Towers hatte der Mann, der sich vor fast genau einem Jahr einer Gehirnoperation hatte unterziehen müssen, erstmals wieder Ligaluft geschnuppert. Doch auch weil er sich wenig später auch noch das Corona-Virus einfing, war die viel umjubelte Rückkehr schnell wieder beendet. In den entscheidenden Tagen der Saison durfte Zipser erst wieder eingreifen, als den Bayern mit gleich vier Ausfällen all zu viel Personal abhanden kam. Dass er nicht die Form der Vorsaison haben kann, als viele in ihm den besten deutschen Spieler in der BBL sagen, liegt in der Natur der Sache.
„Er ist zurück, aber er ist es auch nicht“, sagte Trainer Andrea Trinchieri am Sonntag. Der Italiener hatte schon in den vergangenen Wochen immer wieder angedeutet, dass er mit dem gebürtigen Heidelberger erst in der kommenden Saison wieder wirklich kalkuliert. „Wir beobachten ihn genau, wann er soweit ist“, sagte der Bayern-Coach etwa vor dem Playoffstart, „das kann morgen sein, nächste Woche oder in drei Monaten.“ Druck? Wird es vom Trainer nicht geben – „wir sind um jeden Schritt froh, den er macht. Er hat alle Zeit der Welt.“