München – Irgendwann, als der größte Lärm der Berliner Meisterkür verklungen war, begannen auch Andrea Trinchieri und Daniele Baiesi damit, ihren Frieden mit diesem verlorenen Finale zu schließen. Der Trainer und der Manager der Basketballer des FC Bayern saßen auf den Stufen des Audi Dome und blickten fast schon versonnen in den Münchner Abendhimmel.
Minuten zuvor hatte das noch anders ausgesehen. Trinchieri hatte merklich aufgewühlt Bilanz gezogen. „Ich hoffe, dass dieser Teufelskreis an Problemen jetzt endlich zu Ende ist. Ich bin stolz, wie die Spieler damit umgegangen sind“, sagte er mit Blick auf die vielen Nebengeräusche dieser Spielzeit, „dieses Finale muss für uns der Treibstoff sein, wieder zu kommen.“
Worte, die erahnen lassen, was für die führenden Münchner Köpfe die brennende Frage der kommenden Wochen sein wird. Man wird sich „intensive Gedanken machen“ (Trinchieri), wie man sich besser für den Marathon durch nationales Geschäft und Europa rüsten kann. Gut, das ist eine Frage, auf die auch (noch) Größere bislang keine vollends zufriedenstellende Antwort gefunden haben. Der FC Barcelona etwa beendet die Saison ebenfalls ohne Titel. Euroleague-Sieger Efes Istanbul ging im türkischen Finale baden.
Der Blick zum Bezwinger ist da nur teilweise hilfreich. Ja, anders als die Münchner hat Alba Berlin kein nennenswertes Gefälle im Kader. Bei den für den nationalen Betrieb essenziellen deutschen Spielern wurden die Produkte der bewährten eigenen Nachwuchsschmiede um Glücksgriffe wie den Münchner Oscar da Silva ergänzt. Auf Bayern-Seite kam in diesem Jahr nach Andreas Obst und den eingebürgerten Nihad Djedovic und Leon Radosevic außer Youngster Jason George nicht viel. Spätestens nach dem Ausfall von Center Radosevic war das zu wenig.
Vielleicht kann Paul Zipser Abhilfe schaffen, doch der Rückkehrer (siehe Kasten) bleibt ein sensibles Thema. Auch Nick Weiler-Babb könnte zum Hoffnungsträger werden – der US-Senkrechtstarter könnte noch in diesem Sommer den deutschen Pass erhalten. Schönheitsfehler: Weiler-Babbs Vertrag läuft aus, der 26-Jährige dürfte nach einer starken Saison deutlich teurer werden.
So oder so: Die Kadertiefe dürfte auf dem Zettel stehen, wenn es nun an die Aufarbeitung der alten und die Planungen für die neue Saison geht. Auch Bayern-Präsident Herbert Hainer sprach diesen Punkt kurz nach dem entscheidenden 81:96 am Sonntag deutlich an: „Wir müssen die Belastungen zwischen Euroleague und Bundesliga besser sequenzieren.“ Mit anderen Worten: Man will sich vor allem in der Breite so gut aufstellen, dass man nach harten Euroleague-Reisen Spieler schonen kann ohne sich anschließend zu viele Niederlagen in den nationalen Wettbewerben einzuhandeln. In der Liga musste man letztlich neun Pleiten einstecken. Die skurrilste davon kurz vor Hauptrundenende in Oldenburg, als die Bayern ohne einen einzigen internationalen Profi antraten.
Und Berlin? Alba machte auf dem Rückweg nach Hause Party im Zug. „Diese Jungs, die lieben sich ja“, sagte Macher Marco Baldi nach dem „Threepeat“, der dritten Meisterschaft in Serie. Von einer besonderen Freude, das Dauerduell mit dem FC Bayern auch mit dem neuen Trainer Israel Gonzalez (47) erneut für sich entschieden zu haben, wollte der 60-Jährige nichts wissen: „Genugtuung ist nichts für mich, ich habe nur Freude.“