„Ich will in die Champions League“

von Redaktion

INTERVIEW Miroslav Klose über seinen neuen Job in Altach und seine Ziele als Trainer

Altach – Die weiße Tischdecke vor Miroslav Klose warf etliche Bügelfalten, doch der wackelnde Stammtisch-Wimpel des SCR Altach blieb standhaft. Das Ambiente beim selbst ernannten Dorfklub war des WM-Rekordtorschützen eigentlich nicht würdig, der da vorne im überfüllten Raum Platz genommen hatte. Doch Klose störte das keineswegs. „Ich darf dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Ich habe richtig Lust“, sagte der neue Hoffnungsträger des SCR bei seiner Vorstellung am Montag. Wie es dazu kam und was er vor hat, darüber hat der 44-Jährige mit unserer Zeitung gesprochen.

Herr Klose, vielen waren überrascht von Ihrer ersten Cheftrainer-Station…

Ich bin total davon überzeugt, dass das der richtige Schritt für mich ist. Ich habe das Gefühl, dass wir gemeinsam etwas bewegen können. Es liegt viel Arbeit vor uns.

Wie kam der Kontakt zustande?

Jochen Sauer (Leiter des Bayern-Campus, Anm. d. Red.) hat mir gesagt, dass Altach interessiert sei. Über den Klub hat er mir aber nichts erzählt. Ich möchte grundsätzlich nicht ferngesteuert sein und mir lieber selbst einen Eindruck verschaffen. Ich habe ein gutes Gespür für Menschen, ich denke da liegt meine Stärke. Bei Altach hatte ich ein gutes Gefühl.

Auch mit Ihrem Ex-Klub Kaiserslautern soll es Gespräche gegeben haben, oder?

Ich habe mit Thomas Hengen zusammengespielt, Olaf Marschall ist Chefscout, meine Familie wohnt dort. Natürlich gab es Gespräche – aber nur lose.

Wie haben Sie sich auf Ihre neue Aufgabe vorbereitet?

Ich habe mir ein Jahr lang verschiedene Sachen angeschaut, die Inhalte aus meiner Ausbildung zum Fußballehrer strukturiert, weil ich z.B. nicht wusste, ob ich eine offensive oder defensive Mannschaft bekomme.

Verspüren Sie jetzt Druck?

Ich setze mich sehr unter Druck. Ich habe klare Vorstellungen. Es ist aber auch klar, dass ich mich anpassen und von meinen Erwartungen ein bisschen runtergehen muss. Ich weiß, wo ich hin möchte. Zeit spielt aber keine Rolle.

Wo möchten Sie hin?

Altach ist jetzt der richtige Schritt. Dann schauen wir mal, wie weit es noch geht. Mein Ziel muss natürlich sein, irgendwann mal in der Bundesliga und in der Champions League an der Linie zu stehen. Da mache ich keinen Hehl daraus. Die ersten Schritte sind aber die entscheidenden.

Sie haben den Job von der Pike auf gelernt, richtig?

Ich war Co-Trainer bei Hansi Flick, zwei Jahre davor Assistent von Jogi Löw. Dazu habe ich zahlreiche Jugendmannschaften trainiert. Erfahrung ist schon da. Letztendlich bin ich jetzt im Männersport. Da gibt es wieder neue Dinge zu beachten. Die Trainerausbildung in Deutschland ist so gut, dass du viele Werkzeuge in die Tasche gelegt bekommst. Es liegt an dir, welches du im richtigen Moment rausholst. Ich weiß, dass ich dem Team viel geben kann.“

Von welchem Trainer haben Sie am meisten mitgenommen?

Ich denke schon von Jogi Löw und Hansi Flick. Sie haben das Paket, von dem ich immer spreche: Fachlich und menschlich top. Als Spieler haben mich Louis van Gaal, von dem ich taktisch unglaublich viel mitnehmen konnte, oder Otto Rehagel, als einer der erfolgreichsten Trainer seiner Generation, sehr geprägt. Ich habe mir immer bestimmte Dinge rausgezogen. Viele Wege führen nach Rom.

Interview: Johannes Ohr

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