„Mein Großonkel hat hier die Fenster geputzt“

von Redaktion

Sprinterin Burghardt über die EM im Olympiapark und ihre Bahn-Rückkehr

München – Mit flatternden Haaren kennt man Deutschlands schnellste Frau. Am Montag fuhr allerdings nicht der Gegenwind durch die Frisur von Sprinterin Alexandra Burghardt, sondern die Böen auf der Aussichtsplattform des Olympiaturms in 189 Metern Höhe. Erst vor drei Wochen war die für den SV Wacker Burghausen startende Mühldorferin in München gewesen, als Sie nach ihrem Abenteuer als Bobanschieberin (Olympia-Silber in Peking) ihr Wettkampf-Comeback auf der Tartanbahn gegeben hat. Auf Münchens höchsten Turm hat die 28-Jährige nun mit unserer Zeitung über die EM im Sommer in der Landeshauptstadt gesprochen und ihre Verbindung zum Olympiapark.

Frau Burghardt, am Wochenende stehen die deutschen Meisterschaften an – sind Sie wieder komplett im Sprint-Rhythmus?

Ja, das schon, der Wettkampf in München war ja ganz okay. Leider habe ich mir da aber eine kleine Muskelverhärtung und Verletzung im hinteren Oberschenkel geholt, deshalb sind die letzten Wettkämpfe ausgefallen. Aber für die DM schaut es ganz gut aus, ich habe am Mittwoch eine Art Stresstest und dann hoffe ich, dass ich in Samstag in Berlin auf der Bahn stehe. Aus dem Trainingslager weiß ich auf jeden Fall, dass die Form da ist und die Zeiten sogar besser sind als letztes Jahr. Wie sich die letzten drei Wochen jetzt niederschlagen, kann ich noch nicht ganz einschätzen, aber manchmal schadet ja auch ein bisschen Pause nicht.

Im Juli steht die WM in den USA an, eigentlich das größere Event, aber im August eben die Heim-EM. Was ist in Ihrem Kopf aktuell mehr präsent?

Es war im Vorhinein klar, dass die EM größer ist, weil es eben daheim ist und so nah – und dieses Gefühl, kann man irgendwie ganz schwer beschreiben. Außerdem könnte es sein, dass nach der Verletzung die WM formmäßig fast etwas zu früh kommt, auch wenn ich es da natürlich trotzdem versuche, falls ich mich qualifiziere. Aber die EM steht über allem.

Als Sportler schaut man gerne nur von Woche zu Woche – aber wenn so ein Highlight ansteht, ist das nicht leicht…

Bei Terminen wie heute, wenn man vor Ort ist, denkt man natürlich schon sehr stark daran. Aber generell waren die Deutschen Meisterschaften die letzten Wochen schon mehr in meinem Kopf, ich bin schon eine Athletin, die von Wettkampf zu Wettkampf schaut. Aber es ist bei der EM dieses Jahr schon anders als bei den Großveranstaltungen jemals zuvor, auch weil es so eine besondere Bedeutung hat, 50 Jahre nach Olympia hier zu starten.

Was verbinden Sie mit der Anlage?

Also jetzt hier auf dem Olympiaturm zu sein ist schon total besonders. Das letzte Mal war ich zum Essen hier, das ist schon ein paar Jahre her. Aber ich muss immer dran denken, dass mein Großonkel hier immer die Fenster geputzt hat, um die Zeit der Olympischen Spiele, da war mein Vater öfter mit dabei, hat er mir erzählt. Seit ich dann 2006 mit meinen Eltern einen Leichtathletik-Europacup hier besucht habe, habe ich immer davon geträumt, hier auch mal zu starten.

Interview: Thomas Jensen

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