Traumturnier mit kleinem Makel

von Redaktion

BEACHVOLLEYBALL Gender-Diskussion in Oberschleißheim

München – Die Schlange ist lang. Zig Autos rollen am Sonntag am Kassenhäuschen vorbei auf den Parkplatz am Regattasee in Oberschleißheim. Ziel der Fahrer ist nicht der See, sondern das Munich Beach Resort. Dort fand der Finaltag der German Beach Tour statt. Eine Turnierserie, die vor wenigen Wochen noch vor dem Aus stand. Der Deutschen Volleyballsport GmbH war das Geld ausgegangen und Vermarkter Sportfive hatte sich zurückgezogen. Hinter der Zukunft stand ein großes Fragezeichen. Doch plötzlich ist es ,,eines der besten Tour-Tuniere, das es jemals gab“ – so sieht es zumindest Teilnehmerin Christine Aulenbrock.

Möglich gemacht hat das Alexander Walkenhorst. Der Bruder von Olympiasiegerin Kira Walkenhorst war federführend bei der Organisation und versucht den Sport digitaler und für junge Menschen attraktiver zu machen. Das Event wurde auf der Livestream-Plattform ,,Twitch“ übertragen. ,,Wir haben uns echt eine starke Community aufgebaut“, sagt Roberto Funke, Mitglied des Organisationsteams. Wichtig für den Erfolg des Events sind aber auch die Zuschauer vor Ort. So wie Elodie, die mit Sonnenbrille und Grinsen im Gesicht auf das Gelände kommt. ,,Es sind perfekte Bedingungen. Natürlich schwitzen alle, aber alle haben auch wahnsinnig Bock“, so die 22-Jährige.

Topmotiviert sind auch die Sportler. Bei den Frauen allen voran das Duo Aulenbrock/Ferger, das vor rund 400 Zuschauern das Turnier für sich entscheidet. ,,Unser Trainer hat gesagt, ihr könnt später gern in die Hecke kotzen, aber ihr dürft nicht aufgeben“, so Aulenbrock. Diese Einstellung macht sich am Ende bezahlt, denn vor dem Finalsieg gegen Klinke/Ottens muss im Halbfinale zunächst ein Rückstand gegen Krohn/Gernert umgebogen werden.

Auch der Veranstalter freute sich über ein gelungenes Event: ,,Wir hatten die ganze Zeit eine volle Bude, was natürlich eine mega Bestätigung ist“, sagt Funke.

Etwas getrübt wurde das Bild allerdings durch eine angeregte Gender-Diskussion. Spielervertreter Jonas Reinhardt beschwert sich in Richtung Veranstalter in den sozialen Netzwerken. ,,Es müssen einfach gewisse Werte in unserem Sport gelebt werden“ schrieb der 23-Jährige und bezog sich damit auf die Tatsache, dass an den ersten beiden Turniertagen die Frauen-Matches nur auf dem Nebencourt stattfanden. Dort gab es keine Tribünen und nur rudimentäre Kameraausstattung, weshalb die Spiele auch nur auf einem Nebenkanal übertragen wurden. Reinhardt: ,,Man kann nicht alles so machen, wie man will.“

Begeistert vom Turnier ist hingegen Serhij Popov, ukrainischer Junioren-Weltmeister von 2011: ,,Das ganze Turnier über werden wir unterstützt und durch den Livestream können uns auch die Leute zu Hause zuschauen“, freut sich der 30-Jährige. Später können er und sein Teamkollege Eduard Reznik auch den Turniersieg bejubeln. Im Finale setzen sie sich gegen Reinhardt/Sievers durch. Was bleibt, ist der überwiegend positive Eindruck, den das Turnier bei allen Beteiligten hinterlassen hat.

CLAAS SCHÖNFELD

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