Der neue Haaland

von Redaktion

Kurz vor der Einigung: Sebastien Haller soll in Dortmund die Sturm-Lücke füllen

VON BENEDIKT OPHAUS

Dortmund – Sébastien Haller ist bislang weder am Dortmunder Flughafen noch auf der Geschäftsstelle oder am Trainingszentrum in Brackel gesichtet worden. Für Lothar Matthäus steht aber schon fest: „Es kann für den BVB kein anderes Ziel als die deutsche Meisterschaft geben. Die müssen sie wollen und mit aller Macht anpeilen.“ Es ist kein Zufall, dass der TV-Experte diese Kolumne für den Sender Sky am Montag veröffentlicht hat.

Schließlich steht seit Sonntag fest: Das Dortmunder Interesse an Haller ist mehr als nur ein Gerücht. Der Stürmer, der am Mittwoch 28 Jahre alt wird, soll Erling Haaland ersetzen.

Der BVB ist bereit, sich die Dienste des früheren Frankfurters einiges kosten zu lassen. 33 Millionen Euro plus Bonuszahlungen soll der Vizemeister bieten, Hallers aktueller Klub, Ajax Amsterdam, nur fünf Millionen Euro mehr fordern. Die Einigung sollte in den nächsten Tagen erfolgen. Denn mit dem Spieler ist der Vertrag bis 2027 längst ausgehandelt.

Haller würde in Dortmund in große Fußstapfen treten. Der Norweger Haaland erzielte in 87 Spielen 83 Tore. Hallers 47 Tore und 16 Vorlagen in 65 Spielen für den niederländischen Meister können sich allerdings ebenfalls sehen lassen. Den 1,90-Meter-Schrank zeichnet aber viel mehr aus als nur die Quote. Trotz seiner Größe ist der Franzose – Mutter von der Elfenbeinküste, für deren Nationalmannschaft er auch spielt, Vater Franzose mit deutschen Wurzeln – erstaunlich beweglich. Haller wird als Wandspieler gesucht und legt die Bälle ab – schnellere Mitspieler wie Donyell Malen und Karim Adeyemi könnten davon profitieren. Haller funktionierte bei der Eintracht als Teil der „Büffelherde“ an der Seite von Luka Jovic im Zwei-Mann-Sturm genau so gut wie als Spitze einer Dreierreihe. Der Familienvater gilt als mannschaftsdienlich und sprachbegabt.

Probleme hatte er nur bei West Ham United, das ihn 2019 für 40 Millionen Euro von der Eintracht loseiste. In London durfte er am Ende nahezu gar nicht mehr ran. Nach eineinhalb Jahren ließ ihn West Ham für 22,5 Millionen Euro zu seinem früheren Förderer Erik ten Hag, der ihn auch schon in Utrecht trainiert hatte, ziehen. Für Ajax bedeutete das eine Rekordablöse. Haller führte Amsterdam als Torschützenkönig zur Meisterschaft und stellte in der Champions League mit zehn Treffern in sechs Gruppenspielen einen Rekord auf.

Für die Borussia würde Hallers Verpflichtung eine Abkehr von der Transferpolitik vergangener Spielzeiten bedeuten. Einen nennenswerten Wiederverkaufswert könnte der fleißige Torjäger aufgrund seines fortgeschrittenen Fußballeralters nämlich nicht mehr bringen. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte aber schon vor einigen Wochen in Bezug auf einen Haaland-Nachfolger gesagt: „Egal ob alt oder jung: Oberste Priorität ist, dass er Tore schießt.“

Für den neuen Sportdirektor Sebastian Kehl wäre es nach den Verpflichtungen von Adeyemi, Nico Schlotterbeck, Niklas Süle und Salih Özcan der nächste Coup. Das Haller-Paket aus Ablöse und Gehalt soll das Dortmunder Budget nicht sprengen. Erst wenn das Team von Trainer Edin Terzic auf weiteren Positionen umgebaut werden soll, seien vorab Transfererlöse notwendig. Haller wird wohl bald in Dortmund zu sehen sein – auch Lothar Matthäus wird das zufrieden stimmen. Der schrieb über den neuen BVB: „Das liest sich alles richtig gut.“

Artikel 3 von 11