Mario Götzes Bundesliga-Rückkehr

Eine Gelegenheit für beide Seiten

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Als Mario Götze sich vor zwei Jahren aus dem großen Fußball verabschiedete, indem er sich der im internationalen Maßstab bestenfalls mittelständischen PSV Eindhoven anschloss, sagte er, er wolle eines Tages wieder in der Champions League spielen. Er wird, das ist offiziell, dieses Ziel in der anstehenden Saison 2022/23 erreichen. Der Verein, mit dem dies möglich wird, dürfte aber nicht auf seiner Liste des Sommers 2020 gestanden haben: Eintracht Frankfurt. Vermutlich hat Götze eher von Barcelona, Real, einem englischen oder italienischen Spitzenclub geträumt. Nun aber geht es via Bundesliga in die europäische Königsklasse. Und auf die Bühne, auf der noch einmal zeigen kann, dass er kein nostalgisches Relikt ist, sondern eine Figur der Gegenwart.

Unter normalen Umständen wäre ein Mario Götze nicht in Frankfurt gelandet. Für jemanden, der zwischen Dortmund und den Bayern hin- und hergewechselt ist und Ablöseumsätze in hoher zweistelliger Millionenhöhe erzeugt hat, ist im Normalfall ein Wechsel zu einem deutlich kleineren Verein der Bundesliga das Eingeständnis, dass die Karriere einen Knick erfahren hat. Der entscheidende Punkt, der sich in zwei Jahren verändert hat: Die Eintracht ist zu einem Player geworden – und im Moment zu einer Adresse, die schmückt. Die Hessen sind nach ihrer wundersamen Europa-League-Reise der Konsensclub des deutschen Fußballs.

Sportlich sollte Mario Götze, der sich in Eindhoven ja fast neu erfunden hat, ein Gewinn für die SGE werden. Kreativität und Erfahrung sind seine Pluspunkte, körperlich hat er einstige Defizite behoben, zudem hat Frankfurt auf eben seiner Position Luft nach oben. Und der Kader muss, wenn er Champions League spielt, auch quantitativ darauf vorbereitet sein. Qualitativ ohnehin. In der Bundesliga war die Eintracht nur Elfter.

Was sich noch nicht abschätzen lässt: Ob Götze sich einfach integrieren lässt. Und das hat gar nichts mit ihm als Menschen zu tun. Der Schütze eines WM-Siegtors wird immer im Lichtkegel stehen; das kann brisant werden, weil die Vorleistung, die einen Teil der Aufmerksamkeit bedingt, die bisherigen Eintracht-Spieler erbracht haben. Es ist ein heikler Punkt in der Geschichte des Vereins: Gerade wo er so bleiben will, wie er ist, muss er sich verändern. Doch jetzt ist auch der Zeitpunkt, zu dem Götze greifbar ist. Eine Gelegenheit.

Guenter.Klein@ovb.net

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