„Die letzte Zeit war nicht lustig“

von Redaktion

Maier über sein Türkgücü-Aus, die Löwen und seinen Wechsel zu Haching

München – Ausgebildet beim TSV 1860 München, zuletzt bei Türkgücü München und jetzt bei der SpVgg Unterhaching – Sebastian Maier (28) ist ein Münchner Groundhopper und hat darüber mit unserer Zeitung gesprochen.

Herr Maier, jetzt also Haching. Was hat dafür den Ausschlag gegeben?

Ich durfte mich nach dem Türkgücü-Aus dort fit halten. Da habe ich mich schon gefühlt, als würde ich dazugehören. Mittlerweile habe ich zwei Kinder, meine Frau ist aus München. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Ich wollte hierbleiben und nicht mehr auf Teufel komm raus irgendwo anders spielen.

Welche Rolle hat Sandro Wagner gespielt?

Der Trainer hat mir im ersten Telefonat im Frühjahr schon ein super Gefühl gegeben. Sandro ist sehr akribisch, das ganze Trainerteam eigentlich. Für die jungen Spieler ist er super, weil er jeden Tag jeden verbessern will und jeden Spieler zu nehmen weiß. Er weiß, wie er mit welchem Spieler umgehen muss. Sandro ist sehr empathisch.

Sie haben in der Löwen-Jugend gekickt, danach folgten mit Hannover, Bochum, St. Pauli und Türkgücü Stationen in der zweiten und dritten Liga. Sehen Sie ihren Wechsel in die Regionalliga nicht als Abstieg?

Klar ist, dass man als Sportler so hoch wie möglich spielen will. Aber das Gesamtpaket war mich für mich optimal. Trainer und Verein wollen etwas erreichen. Die Mannschaft hat Qualität. Ich kann hier wieder den Spaß am Fußball haben, der die letzten anderthalb Jahre etwas abhanden gekommen ist.

Ihre Zeit bei Türkgücü hat ein sehr trauriges Ende genommen …

Ja, das war schon hart. Klar, es kursierten immer wieder irgendwelche Gerüchte, aber es kam am Ende dann doch unerwartet. Ich bin extra für den Club mit meiner ganzen Familie nach München gezogen – und dann so ein Cut. Das war heftig. Ich hoffe für jeden einzelnen Ex-Mitarbeiter, dass er wieder einen Job findet, an dem er Spaß hat. Die letzte Zeit war nicht lustig.

René Vollath, der auch von Türkgücü zu Haching gegangen ist, hat entschieden, nie wieder in einem Einzelinvestoren-Klub zu spielen. Können Sie das auch für sich sagen?

Am liebsten würde ich dieses Thema gar nicht so groß besprechen. Wir wussten alle, worauf wir uns einlassen, René hat es mit Uerdingen zuvor zweimal erlebt. Ich glaube, so etwas wie bei Türkgücü darf einfach nicht mehr vorkommen. Dafür müssen DFB, BFV oder wer auch immer dafür zuständig ist, sorgen. Ich finde es grenzwertig, dass so etwas möglich war.

Sind Sie froh, wieder in professionelleren Strukturen zu Hause zu sein?

Definitiv. Bei Türkgücü hatte es Charme, dass man so ziemlich der Underdog war, der nur auf einer Bezirkssportanlage zu Hause ist und trotzdem etwas Großes erreichen will. Es war ja auch nicht so, dass wir super schlechte Bedingungen hatten, ab und zu stand auch mal eine Eistonne zur Verfügung. Aber es war immer irgendwie Unruhe drin. Bei Haching ist das anders. Auf dem Verein steht zwar vierte Liga drauf, aber es steckt mindestens dritte Liga drin. Ob es in der Mannschaft drin steckt, werden wir sehen. Das Ziel Aufstieg ist für 2025 ausgerufen. Wir werden alles dafür tun, das so früh wie möglich zu erreichen.

Wie nah sind Sie noch dran an Ihrem anderen Münchner Ex-Club, dem TSV?

Sechzig liegt mir noch immer am Herzen. Ich hatte dort eine sehr, sehr schöne Zeit. Der Verein ist unglaublich, die Fans sind beeindruckend. Durch Tim Rieder und Albion Vrenezi habe ich auch zwei Ex-Teamkollegen dort. Verbunden bin ich dem Verein schon noch, aber ich schaue auch nicht täglich drauf, was Sechzig macht.

Wären die Löwen nicht auch eine Option für einen Wechsel gewesen?

Auf jeden Fall! Aber Kontakt gab es keinen.

1860 hat stark eingekauft. Trauen Sie den Löwen in diesem Jahr den Aufstieg zu?

Sie waren jetzt echt zweimal nah dran. Jetzt haben sie noch mal extrem aufgerüstet. Wenn sie diese Spieler zu einem Team formen, kommen Sie aus der Favoritenrolle nicht mehr raus.

Interview: Jacob Alschner

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