Neuer BFV-Präsident

Hoffentlich einer für die Amateure

von Redaktion

VON NICO-MARIUS SCHMITZ

Es sind die letzten großen Auftritte des Mannes, der fast zwei Jahrzehnte das Zepter des bayerischen Amateurfußballs in der Hand hielt. 18 Jahre stand Rainer Koch dem Bayerischen Fußball Verband, der größte Landesverband im Deutschen Fußball Bund, vor. Nun endet auf dem Verbandstag im beschaulichen Kurort Bad Gögging eine Ära. Wobei der Name Rainer Koch in den letzten Jahren zunehmend eher für das Wort „Ärger“ stand.

Koch galt über Jahre als der Strippenzieher im deutschen Fußball, mit einem geschickt gewobenen Beziehungsnetz als Trumpf. Während der DFB munter von einer Krise in die nächste schlitterte und mit Wolfgang Niersbach, Reinhard Grindel sowie zuletzt Fritz Keller drei Präsidenten nach Verfehlungen zurücktraten, schien die Macht von Koch nicht zu schrumpfen. Dachte man zumindest. Bis zum DFB-Bundestag, als er der Sportwissenschaftlerin Silke Sinning mit 68 zu 163 Stimmen unterlag. Eigentlich wollte Koch bis 2026 in Fußball-Bayern herrschen, der Plan war nach der bitteren Wahlniederlage obsolet. Koch, der den DFB dreimal als Interimschef führte, kündigte seinen Rückzug aus dem Fußball an. Längst überfällig, dachten sich da viele.

Koch hatte lange Zeit ein Image als Herr der Amateure, machte sich beim DFB für die unterklassigen Kicker stark und brachte die Vertreter des Profifußballs oft gegen sich auf. Doch zuletzt bekam auch dieses Bild immer mehr Risse. Unter anderem Engelbert Kupka, Ex-Haching-Präsident und Gründer der Initiative „Rettet die Amateure“, warf Koch vor, den Grundlagenvertrag so gestaltet zu haben, dass immer weniger Geld aus dem Profibereich zu den Amateuren fließt. Generell entstand bei vielen der Eindruck: Koch hat sich von der Basis entfernt.

Klar ist: Der Bayerische Fußballverband braucht frischen Wind, neue Impulse. Am heutigen Samstag wird Kochs Nachfolger bekannt gegeben. Und es bleibt zu hoffen, dass der neue starke Mann seinen Fokus auch wirklich auf den bayerischen Amateurfußball legt, und sich aus Machtkämpfen beim DFB raushält. „Bayern first“, sollte das Motto lauten. Der Staub, der sich auf die Ära des Dr. Rainer Koch gelegt hat, muss weggepustet werden.

nico-marius.schmitz@ovb.net

Artikel 1 von 11