München – Kopfsteinpflaster in der „Hölle des Nordens“, viele Zeitfahrkilometer und die Rückkehr in die größte Open-Air-Arena des Radsports: Die Tour de France ist auch in ihrer 109. Ausgabe reich an Höhepunkten und Herausforderungen. Einige davon dürften entscheidend werden für den Kampf um das Gelbe Trikot.
Bekommt Primoz Roglic seine Revanche? Oder erlebt der Mitfavorit ein schreckliches Deja-vu? Fest steht: Das Einzelzeitfahren der vorletzten Etappe bietet die perfekte Bühne für ein Herzschlagfinale wie 2020. Vor zwei Jahren entriss Titelverteidiger Tadej Pogacar seinem slowenischen Landsmann Roglic im Kampf gegen die Uhr den sicher geglaubten Tour-Triumph. In diesem Jahr ist das Abschlusszeitfahren mit 40,7 km wie damals lang, abgesehen von einem knackigen Schlussanstieg aber weit weniger anspruchsvoll. Dennoch gilt: Auf dem Weg nach Rocamadour fällt die Entscheidung über den Gesamtsieg. Gewinnen lässt sich die Tour beim 13,2 km langen Auftaktzeitfahren in Kopenhagen nicht. Wer in Dänemarks Hauptstadt aber grob patzt oder im erwarteten Regen stürzt, kann sie hier schon verlieren.
Es ist der Schrecken aller Leichtgewichte im Feld und Anwärter auf das Gelbe Trikot: Das Kopfsteinpflaster in Nordfrankreich. Die fünfte Etappe ist eine technisch anspruchsvolle und nicht ungefährliche Prüfung für das Peloton. Die Positionskämpfe werden erbittert werden, die Nervosität im Feld dürfte auf dem Weg über die elf Pave-Sektoren groß sein: Ein Defekt, ein Sturz – und die Tour ist schon in der ersten Woche gelaufen. Der Ritt über die Holperpiste ist umstritten. Den Streckenplanern wird eine Gefährdung der Fahrer für ein größeres Spektakel vorgeworfen. Für Tour-Boss Christian Prudhomme ist die fünfte Etappe schlicht die „größte akrobatische Herausforderung der ersten Woche“.
Der erste echte Härtetest in den Bergen erwartet die Top-Favoriten auf der siebten Etappe in den Vogesen. Auf der Planche des Belles Filles, dem Ort von Pogacars Wunder-Zeitfahren vor zwei Jahren, kommt es zur ersten Bergankunft der Tour. Der Anstieg hat es in sich, über sieben Kilometer geht es im Schnitt 8,7 Prozent aufwärts. Gefürchtet ist vor allem die bis zu 24 Prozent steile Schlussrampe auf Schotter. Pogacar und Co. werden spätestens hier die Muskeln spielen lassen, spektakuläre Bilder sind garantiert. Wer nicht in Top-Form ist, hat keine Chance. Gefürchtet ist das steile Finale insbesondere bei den Sprintern. Andre Greipel, inzwischen pensioniert, schob sein Rad vor drei Jahren entkräftet über die Ziellinie.
Das größte Open-Air-Festival der Tour findet am französischen Nationalfeiertag statt, wenn die Tour auf der zwölften Etappe zu einem ihrer legendärsten Anstiege zurückkehrt: Alpe d’Huez. Unter dem Jubel von rund einer Millionen Fans werden zuerst der Col du Galibier (2642 m) und der Col de la Croix de Fer (2067 m) überwunden und dann werden auf den 21 Kehren hinauf ins Ziel Helden geboren – und das Rennen wird womöglich vorentschieden. Es ist die letzte Alpenetappe, die letzte vor der weiteren Fahrt in Richtung Pyrenäen. Attacken auf den Träger des Gelben Trikots sind garantiert.
Jene wird es auch auf der letzten Bergetappe der Großen Schleife geben. Drei schwere Anstiege hat die 18. Etappe zu bieten, der Schlussanstieg führt über 13,6 km (Schnitt: 7,8 Prozent). Die zu erwartende Hitze und die Erschöpfung von knapp drei Wochen Rundfahrt werden die Fahrer an die Grenzen bringen. Trotzdem dürfte aggressiv gefahren werden. In den Pyrenäen entscheidet sich die Ausgangslage für das abschließende Einzelzeitfahren zwei Tage später.
Zeitfahren
Kopfsteinpflaster
Schotter-Rampe
Alpe d’Huez
Hautcam