Berlin/München – Eines unterschied die beiden Gespräche, bei denen am Montag über Katar und den Fußball diskutiert wurde: Bei dem sogenannten „Round Table“, den der FC Bayern veranstaltete, wurde auch die katarische Seite gehört. Diese Abgrenzung zur Anhörung im Bundestag hielt auch Christopher Heusgen fest.
Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz moderierte die Debatte, zu der der FC Bayern in einen Raum der Allianz Arena geladen hatte. Vereins-Präsident Herbert Hainer und der Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn verteidigten dort das Sponsoring des Clubs durch Quatar Airways gegenüber kritischen Fanvertretern. „Nur durch Hinschauen und Dialog werden Verbesserungen angestoßen“, meinte Hainer: „Ich bin der Überzeugung, dass man diesem Land eine Chance geben muss!“
Von katarischer Seite nahmen etwa Abdullah bin Mohammed Al-Thani, der Botschafter von Katar in der Bundesrepublik und Hassan Al-Thawadi, der Vorsitzender des Organisationskomitees der anstehenden WM teil, die beide auf Verbesserungen im Land hinweisen und um Verständnis warben, dass Veränderungen Zeit bräuchten. Kahn ergänzte, dass die Reformen teilweise „so ein bisschen abschätzig“ betrachtet werden würden. Es sei „sehr, sehr viel passiert.“ Man dürfe nicht zu viel erwarten, aber „der Fußball kann ein sehr wichtiger Mosaikstein sein“. Vervollständigt wurde die Runde durch Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und Sigmar Gabriel, den ehemaligen Außenminister Deutschlands.
Einer der beiden Kritik vorbringenden Fans war Michael Ott, der zu Beginn äußerte, „dass viele Menschen ein Problem mit dem Sponsoring des FC Bayern haben“. Ott war es auch, der bei der Jahreshauptversammlung des Clubs im vergangenen November im Mittelpunkt stand. Das Event damals war in Tumulten geendet. Zuvor hatte er einen Antrag einbringen wollen, um über das Sponsoring mit der Fluglinie abstimmen zu lassen.
In der etwa zweistündigen Diskussion nun blieben die Beziehungen des FC Bayern in den Wüstenstaat aber nur ein Thema unter vielen. Die Situation von Arbeitern, Frauen und Angehörigen von Minderheiten dort wurde vor allem in Bezug zur WM gesetzt. Auch auf die Frage Otts, was angesichts der Missstände „rote Linien“ seien, antworten die Club-Bosse nicht direkt. Kahn ging in seinem abschließenden Statement mehr auf die WM ein: „Mein Eindruck hat sich verfestigt, dass Katar ein Projekt hat, dass das Land voranbringt.“
Auch im Bundestag stand das Großereignis im Fokus. Dort war Thomas Beschorner einer der Experten, die der Sportausschuss des Parlaments zur gestrigen Diskussion über die Fußball-WM in Katar eingeladen hatte. Beschorner kritisierte: „Warum wurde nie ernsthaft über einen Boykott nachgedacht? Warum haben die führenden Nationen keine Alternative angeboten? Dortmund statt Doha – das wär’s gewesen.“
Die Frage: Treibt man der WM entgegen – oder unternimmt man etwas? Der Orient-Experte Sebastian Sons sieht „das Momentum gegeben“, denn der Lichtkegel der Weltöffentlichkeit richtet sich auf Katar, das „sich als verlässlicher Partner präsentieren will“.
Heike Ullrich, die neue Generalsekretärin, war gerade erst mit einer UEFA-Arbeitsgruppe in Katar, es kam auch zu einem Treffen mit Arbeitsmigranten und zum Entschluss, sich für diese Gruppe, die über 75 Prozent der im Emirat lebenden 2,8 Millionen Menschen ausmacht, nachhaltig einzusetzen. Ihre Lage hat sich erst einmal nur in der Theorie verbessert, wie Katja Müller-Fahlbusch von Amnesty International erklärte: „Im Licht der Öffentlichkeit wird schon wieder Arbeitsrecht gebrochen – weil Konsequenzen nicht zu befürchten sind.“ Neben dem Zentrum für die ausländischen Arbeitskräfte will die UEFA für die Einrichtung eine Fonds eintreten, der den Hinterbliebenen der Todesopfer auf den Baustellen Unterstützung zukommen lässt.
Florian Bauer von der ARD war schon öfter in Katar, wurde mit seinem Team einmal sogar festgenommen. Er hat Gerüchte vernommen, „dass zur WM ein Großteil der Arbeiter aus dem Land gebracht wird. Die FIFA will ein Hochglanzbild, Katar will es ihr recht machen.“ Könnte so kommen. „Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn, sobald die WM beginnt, einfach nur wieder der Ball rollt.“