„Als Mannschaft finden“

von Redaktion

DFB-Vizepräsidentin Sasic im Interview

Seit März ist sie Vizepräsidentin des DFB für Diversität und Vielfalt: Célia Sasic. Damit ist die Champions-League-Siegerin von 2015 (mit Frankfurt) und zweifache Europameisterin eine von fünf Frauen im Präsidium. Mit unserer Zeitung hat die 34-Jährige über Nachwuchsprobleme im Frauenfußball und die Nationalmannschaft gesprochen.

Frau Sasic bevor es um die Nationalmannschaft geht, zur Basis: Der DFB hat von 2,2 Millionen Aktiven nur noch 187.000 Frauen und Mädchen, die Fußball spielen. Die Zahl der aktiven Mädchen hat sich gegenüber 2010 sogar halbiert.

Für mich liegt der Hebel in der Infrastruktur. Mädchen brauchen einen einfachen Zugang zum Fußball. Im Allgemeinen ist der Zulauf in der Stadt teilweise sogar so groß, dass die Vereine gar nicht mehr alle aufnehmen können, während auf dem Land fünf Vereine eine Spielgemeinschaft bilden müssen.

Spielerinnen mit Migrationshintergrund gibt es wenige. Beim Nationalteam nur drei von 23.

Mädchen finden kaum mehr Vereine, die rein weibliche Teams anbieten, ohne dafür mittlerweile eine Stunde fahren zu müssen. Dann benötigen sie Personen, die sie dorthin bringen und abends auch sicher wieder zurückbringen.

Spielen die kulturellen Vorbehalten in den Familien nicht auch eine Rolle?

Das gibt es, und gab es schon zu meiner Zeit. Wenn kulturelle Grenzen überwunden werden sollen, muss der Institution Verein vertraut werden. Die Clubs wissen am besten, dass kulturelle Vielfalt nicht ein Problem, sondern unsere Lebensrealität ist.

Haben Sie Ihren aus Kamerun stammenden Vater anfangs überzeugen müssen, Fußball zu spielen?

Ganz am Anfang, so ist zumindest meine Erinnerung, hat er nicht Hurra geschrien (lacht). Als er gemerkt hat, die spielt wirklich gut und geht darin richtig auf, wurden meine Eltern zu meinen größten Unterstützern.

Zur EM: Welche Chance geben Sie den Deutschen?

Ich bin sehr gespannt, weil es ein spannendes Turnier wird. Die WM 2019 endete früher als erhofft. Durch diese negative Erfahrung ist unter den Spielerinnen und Trainerinnen ein wichtiger Prozess in Gang gekommen, der auch sichtbar ist. Gute Fußballerinnen hat Deutschland genug. Jetzt kommt es darauf an, dass sie sich schnell als Mannschaft finden.

Interview: Frank Hellmann

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