München – Einen ersten Diensttermin hat Paul Zipser schon wieder hinter sich gebracht. Vergangene Woche knobelte der Profi der Basketballer des FC Bayern beim Sportquiz für den guten Zweck im Audi Dome mit. Und schon bald wird es dann auch sportlich wieder ernst. Zipser wird über den Sommer hinweg dafür schuften, dass er es, gut ein Jahr nach seiner Hirn-Operation, auch auf dem Feld wieder zur alten Form bringen kann.
In den vergangenen Monaten war es noch um andere Dinge gegangen. So wie an jenem 2. März, als ihn Trainer Andrea Trinchieri mit einem „Let’s go, Pauli!“ ins Auto packte. Und ihm gegen die Hamburg Towers 15 Sekunden BBL-Luft bescherte. Elfmal hat sich der 28-Jährige bis Saisonende versuchen dürfen. Für Trinchieri nicht mehr als ein Warmlaufen. „Man darf nie vergessen: Er hatte keine normale Verletzung“, warnte der Italiener immer wieder, „was ich von ihm erwarte, das gilt frühestens für die nächste Saison.“
Natürlich hat Zipser diese Geduld der Bayern-Verantwortlichen gutgetan. Die unbedingte Rückendeckung – wenige Wochen nach seiner Operation hat der Verein sogar seinen Vertrag verlängert. Es dürfte ihm dabei geholfen haben, selbst Geduld mit sich zu haben. „Wenn du komplett auf null zurückgesetzt bist, dann ist es ein langer Weg. Da bist du demütig.“ Zipser hatte nach seinem schweren Eingriff die kleinsten Dinge des Lebens neu lenen müssen. Und vermutlich wären diesen Weg nicht viele so geradlinig gegangen wie er.
Zipser nahm es hin, dass er meist Zuschauer war. Er, der es als Basketballer zu den Chicago Bulls in die Traumfabrik NBA brachte. Der zuletzt noch als bester Deutscher in der BBL gehandelt wurde. Es fiel ihm nur anfangs schwer, „irgendwann überhaupt nicht mehr“. Er erfreute sich daran, dabei zu sein – und an den kleinen Erfolgen, die er sich erarbeitete. Bis hin zu jenem blitzsauberen Dreier, dem letzten der Saison in den Schlusssekunden des letzten Finales gegen Berlin. „Natürlich hat mich das gefreut“, sagte er.
Wobei der Modellathlet aus Heidelberg vor allem die gelegentlichen Abs in seiner Entwicklung eigentlich gar nicht mehr hinterfragen will „Es ist gefährlich, wenn man es immer auf den Kopf schiebt, wenn etwas nicht funktioniert“, sagte er.
Seinen Bayern käme ein Paul Zipser in alter Form natürlich bestens gelegen. Noch heute ist man sich sicher, dass der Ausfall des Forwards vor den Finals 2020/21 letztlich die Hauptursache für den verpassten Titel war. Gerade im Bereich der deutschen Spieler war Rivale Alba damit besser aufgestellt. So war das auch in der gerade beendeten Spielzeit. Sich hier besser aufzustellen, ist eine der großen Hausaufgaben für die Männer um Kaderplaner Daniele Baiesi in diesem Sommer. Von den eingebürgerten Nihad Djedovic und Leon Radosevic hat man sich dafür schon verabschiedet. Nick Weiler-Babb könnte einen jener Plätze übernehmen, wenn er tatsächlich in diesem Sommer wie erhofft den deutschen Pass erhalten sollte.
Und dann wäre ein Paul Zipser in der Form der Saison 2020/21 natürlich ein gutes weiteres Argument. Ob man damit kalkuliert – das wird eine spannende Frage. Zipser selbst tut es nicht. Er wird das tun, was er im vergangenen Jahr meistens getan hat: Er wird arbeiten, intensiv. Wohin die Reise geht? „Wir werden sehen“