London – Das Ziel der Träume ist nur eine halbe Autostunde vom Teamquartier der deutschen Fußballerinnen entfernt, doch der Weg ins Finale im Wembley-Stadion wird weit. Nach langer Durststrecke wollen die DFB-Frauen unbedingt zurück auf den EM-Thron – auf ihrer schwierigen Mission wartet aber gleich zum Auftakt gegen Vize-Europameister Dänemark ein Schlüsselspiel.
„Wir wissen, was wir können und wollen unseren Plan durchziehen“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg vor dem kniffligen Start an diesem Freitag (21.00 Uhr/ZDF und DAZN) vor rund 15 000 Zuschauern im ausverkauften Brentford Community Stadium. Dänemark habe „ein gutes und mental starkes Teamgefüge, in dem alle bereit sind, jedem Ball nachzugehen. Es wird eine große Aufgabe für uns, aber wir werden unsere ganze Energie und unseren Willen ins Spiel bringen.“
Drei Punkte gegen das Team um Torjägerin Pernille Harder wären Gold wert vor dem Kracher gegen Titelkandidat Spanien (12. Juli), der allerdings ohne seine verletzte Weltfußballerin Alexia Putellas auskommen muss. Im Kampf ums Viertelfinale geht es zum Abschluss gegen Außenseiter Finnland (16. Juli).
Zu den Topfavoriten gehört der achtmalige Europameister Deutschland nach zuletzt zwei Turnier-Enttäuschungen nicht mehr. Dass man neun Jahre nach dem letzten EM-Triumph schwer einzuschätzen sei, wolle man sich zum Vorteil machen, so die Bundestrainerin: „Denn für die Gegner sind wir vielleicht auch eine Wundertüte.“
Bei der WM vor drei Jahren schied der Olympiasieger von 2016 im Viertelfinale gegen Schweden aus, bei der EM 2017 war in der gleichen Runde Endstation gegen die Däninnen. Von einer Revanche mag fünf Jahre und einen Umbruch später niemand sprechen, Druck und Ansprüche bleiben wie damals hoch.
„Wir waren ein paar Jahre nicht erfolgreich und wollen das jetzt ändern“, betonte Außenverteidigerin Giulia Gwinn (Bayern München). Das 7:0-Ausrufezeichen in der Generalprobe gegen die Schweiz gab Selbstvertrauen.
„Wenn wir diese Spielfreude auf den Platz bringen, dann gibt es nur einen Sieger, und das sind wir“, sagte Svenja Huth. Die 31 Jahre alte Flügelspielerin wird den Rekordeuropameister aufs Feld führen, da Kapitänin Alexandra Popp (beide VfL Wolfsburg) nach Knieverletzung und Corona-Infektion noch nicht in Topform ist.
Zur Einstimmung auf die EM-Mission wurde am Mittwochabend im Hilton-Teamhotel Syon Park im Westen Londons das Eröffnungsspiel zwischen den Gastgeberinnen und Österreich (1:0) geschaut. Dass sich selbst das hoch gehandelte Heimteam schwertat, macht womöglich Mut.
Expertinnen trauen dem DFB-Team jedenfalls einiges zu. „Ich finde brutal spannend, dass die deutsche Mannschaft so ausgeglichen ist“, sagte die zweimalige Europameisterin Inka Grings im ARD-Morgenmagazin: „Das macht sie schwer auszurechnen.“
Olympiasiegerin Tabea Kemme geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wir haben eine sehr junge und unbekümmerte Mannschaft. Wir können es bis ins Finale schaffen und Europameister werden“, sagte die 30-Jährige dem Sportradio Deutschland. sid