Dramatik auf den letzten (Höhen-)Metern

von Redaktion

Lennard Kämna bringt seinen Vorsprung nicht ins Ziel, der unheimliche Pogacar zieht vorbei

La Planche des Belles Filles – Titelverteidiger Tadej Pogacar hat, angefeuert von seiner Familie, bei der ersten Bergankunft der 109. Tour de France den Traum eines Überraschungscoups des aufopferungsvoll kämpfenden Lennard Kämna auf den letzten Metern verhindert. Durch seinen zweiten Etappensieg binnen 24 Stunden ist das Radsport-Wunderkind nach seiner atemberaubenden Rückkehr an die Super Planche des Belles Filles schon vor dem Ende der ersten Woche im Gelben Trikot auf dem besten Weg zu seinem dritten Gesamtsieg in Folge. Erst 100 Meter vor dem Ziel hatte Pogacar gemeinsam mit seinem ärgsten Konkurrenten Jonas Vingegaard den völlig entkräfteten Kämna überholt. Auf den letzten Metern zog Pogacar in einem dramatischen Schlussakt dann auch noch am Dänen vorbei. Kämna wurde hinter Primoz Roglic Vierter.

Kämna hatte am bis zu 24 Prozent steilen Anstieg Landsmann und Routinier Simon Geschke knapp fünf km vor dem Ziel attackiert und sah lange Zeit wie der sichere Sieger aus. Pogacar weckte auf den letzten Metern des siebten Teilstücks Erinnerungen: 657 Tage zuvor hatte der Slowene Roglic beim dramatischen Bergzeitfahren an gleicher Stelle am vorletzten Tag der Frankreich-Rundfahrt 2020 sensationell in letzter Minute das Gelbe Trikot entrissen und bei seinem Debüt zum ersten Mal die Frankreich-Rundfahrt gewonnen. Für Pogacar war es nach dem Triumph am Grand Colombier (2020) und den Siegen am Col du Portet und Luz Ardiden im vergangenen Jahr der vierte Tageserfolg bei einer Tour-Bergankunft und der achte Etappensieg.

Wie bereits am Vortag startete das Peloton mit hohem Tempo. Erst nach über 50 km bildete sich eine elfköpfige Fluchtgruppe um Kämna, Geschke und Kämnas Teamkollegen Maximilian Schachmann. „Wenn es eine Spitzengruppe gibt und ich mich einigermaßen gut fühle, werde ich es versuchen“, hatte Schachmann bereits am Vorabend angekündigt. Am ersten Anstieg, dem Col de Grosse, verschärften Kämna und Schachmann das Tempo. Neben Geschke blieben auch Dylan Teuns, Belles-Filles-Premierensieger 2012, und Luke Durbridge dran.

Wohlwissend um die Stärke der Ausreißergruppe leistete Pogacars UAE-Team geschlossen die Nachführarbeit an der Spitze des Pelotons. Die Fluchtgruppe vergrößerte sich in der Folge aber noch auf sieben Fahrer. Am Fuße der Super Planche des Belles Filles ließ Schachmann, der einzig und allein für Kämna gearbeitet hatte, abreißen. Die erste Attacke setzte Geschke knapp über fünf km vor dem Ziel, Kämna ging mit und setzte Augenblicke danach den Nadelstich. Dann kam es doch noch zur großen Pogacar-Show. Kämna reichten 30 Sekunden Vorsprung, mit denen er auf den letzte Kilometer ging, nicht. .  sid

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