Giftpfeile in Graz

von Redaktion

FORMEL 1 Hamilton provoziert Verstappen vor dessen Heimspiel in Spielberg – Der Weltmeister kontert sarkastisch

München/Spielberg – Im WM-Kampf spielt Lewis Hamilton in dieser Saison keine große Rolle. Zumindest sportlich. Aber das hindert den siebenfach Weltmeister nicht daran, dem Erzrivalen Red Bull verbal einzuheizen: Vor dem Heimrennen der Österreicher am Sonntag in Spielberg (15 Uhr, Sky) stichelt der Mercedes-Superstar gegen Weltmeister Max Verstappen (24). Mit Blick auf sein hartes Duell mit Charles Leclerc (Ferrari, 24) in Silverstone am vergangenen Sonntag sagte er: „Was für ein toller Zweikampf, mit einem sehr feinfühligen Fahrer. Eindeutig etwas ganz anderes als das, was ich letztes Jahr erlebt habe.“ Damals kollidierte der Brite mit Verstappen an der gleichen Stelle.

Der Niederländer konterte voller Sarkasmus: „Ich finde es schön, dass man offensichtlich mit 37 auch noch lernen kann, wie man den Scheitelpunkt einer Kurve trifft. Er lernt dazu, und das ist positiv. Das ist auch ein schönes Zeichen für alle jungen Fahrer, die jetzt wissen, dass man auch mit 37 noch was lernen kann.“

Die Rivalität zwischen den beiden Lagern besteht schon lange. Hauptdarsteller in der Vergangenheit waren die beiden Österreicher Toto Wolff (50, Mercedes-Teamchef) und Helmut Marko (79, Red-Bull-Chefberater). Beide leisteten sich Aktionen abseits der Piste, die den anderen bis ins Mark trafen. Der Wiener Wolff warf den Fehdehandschuh als erster. „Es kann nicht sein, dass ein Brausehersteller schneller als Mercedes fährt,“ sagte er 2013 in einer internen Besprechung, als Red Bull mit dem damaligen Frontman Sebastian Vettel dominierte. Milliardär Dietrich Mateschitz und Marko erfuhren von der verächtlichen Bezeichnung und fortan war der „Emporkömmling“, wie Wolff von den Red-Bull-Chefs bezeichnet wurde, Persona non grata. Das Tischtuch war auf ewig zerschnitten.

Dafür begannen die Provokationen und der Krieg neben der Strecke. So druckte Mercedes einmal Plakate in Österreich, auf denen sie den Österreich-GP als „Heimspiel“ ankündigten. Der eigentliche Hausherr tobte und ließ mit dem Konter nicht lange auf sich warten. Der Getränkekonzern quartierte kurzfristig das ganze Mercedes-Team aus Hotels aus, die in der Nähe des Red-Bulls-Rings lagen. Das ist bis heute so. Dazu muss man wissen: Mateschitz gehören alle relevanten großen Hotels rund um seine Rennstrecke. Mercedes musste in der steirischen Landeshauptstadt Graz wohnen. Die ist 60 Kilometer vom Ring entfernt. Alle Mercedes-Mitarbeiter mussten früh aufstehen, um dem Megastau zu entkommen.

Auch hier folgte die Revanche auf dem Fuß. Weil Lewis Hamilton am Red-Bull-Ring gewann, zogen Mercedes-Mechaniker in der Nacht dem großen Stier, der als Symbol von Red Bull inmitten der Strecke steht, einen Mercedes-Stern durch die Nase. Diesmal kochten die Red-Bull-Protagonisten vor Zorn. Hier steht das Revanchefoul noch aus.

In dieser Saison gilt Verstappen am Red-Bull-Ring als klarer Favorit. Ferrari ist sein Hauptgegner, nicht Mercedes. Aber eins steht fest: Könnten sich Mercedes-Teamchef Toto Wolff und Hamilton ein Rennen aussuchen, wo sie außer Silverstone gewinnen würden: Es wäre mit Sicherheit Red Bulls-Heimrennen.

RALF BACH

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