Das Podium weiter im Visier

von Redaktion

Mittwoch als Schicksalstag für Wlassow von Bora-hansgrohe – Keine weiteren Coronafälle

VON NICO-MARIUS SCHMITZ

Chatel/München – Ruhetag für das Peloton. Das Fahrerfeld kann sich vor den schweren Etappen in den Alpen ausruhen. Für die Verantwortlichen gilt das nicht. „Ruhetage sind für das Management anstrengend. Gespräche mit den Sponsoren, den Radfahrern, da ist es wichtig, dass man vor Ort ist“, sagt Ralph Denk unserer Zeitung am Telefon. Der Teamchef von Bora-hansgrohe nimmt sich trotzdem die Zeit, um ein erstes Zwischenfazit zu ziehen: „Da müssen wir ehrlich sein, wir wären natürlich gerne schon weiter. Damit meine ich, dass wir gerne schon einen Etappensieg in der Tasche hätten.“

Lennard Kämna hatte genau diesen Sieg schon vor Augen, musste sich dann aber auf den letzten 100 Meter in den Vogesen noch geschlagen geben. Bora-hansgrohe hatte im Vorfeld der Tour alles darauf ausgerichtet, um die Gesamtwertung mitzufahren. Nun liegt Alexander Wlassow allerdings nur auf Rang 12, mit über drei Minuten Rückstand auf Überflieger Tadej Pogacar, zwei Minuten fehlen zum Podium.

„Ich gebe das Podium noch nicht auf. Der entscheidende Tag wird Mittwoch sein. Da werden wir final sehen, ob es Sinn macht, noch um das Podium zu kämpfen, oder ob wir uns neue Ziele setzen. Man wird in jedem Fall weiter einen offensiven Fahrstil von uns sehen“, sagt Denk. Am Mittwoch stehen zwei Bergankünfte der höchsten Kategorie, unter anderem der Col du Galibier, an. Am Donnerstag steigt dann die Königsetappe der diesjährigen Tour hinauf zu Alpe d´Huez. Mit einem wieder erstarkten Wlassow? „Alexander laboriert an seinen Sturzverletzungen, die Wunden haben sich ein Stück weit entzündet. Dadurch kann er nicht die Leistung abrufen, die er eigentlich bringen kann“, sagt Denk.

Auf der sechsten Etappe stürzte Wlassow, Denk hätte sich gewünscht, dass das Team sich kurz vor dem Ziel weiter vorne positioniert hätte: „Aber es ist Tour de France und kein Wünsch-dir-was.“ Der Wunsch von Kämna, noch mal als Ausreißer um einen Etappensieg mitzufahren, wird jedenfalls erfüllt. „Es gibt noch ein paar schöne Bergetappen, ich werde es auf jeden Fall noch probieren“, sagte der 25-Jährige.

Im Fahrerfeld und bei den Organisatoren der Tour gab es gestern Erleichterung. Nach dem unter anderem Pogacars wichtigster Helfer Vegard Stake Laengen ein positives Testergebnis hatte, gab es am Montag keine weiteren Coronafälle. „Covid ist nicht mein größter Rivale. Es kann aber die ganze Tour ruinieren. Wir sind jeden Tag unterwegs und werden von vielen Fans unterstützt. Ich mag das, aber das birgt natürlich Gefahren“, sagte Pogacar. Der Slowene dominiert aktuell den Kampf ums Gelbe Trikot und gilt auch auf den schweren Alpenetappen als großer Favorit.

„Was sie aktuell durchziehen, kostet die Mannschaft natürlich auch extrem viel Kraft. Die große Frage ist, ob das Team das über drei Wochen durchziehen kann“, sagt Denk: „Sie gehen schon ins Risiko, so früh ins Gelbe Trikot zu fahren und das Gelbe Trikot dann auch jeden Tag so konsequent zu verteidigen. Da steckt eine große Portion Mut und Selbstvertrauen dahinter.“

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