„Das neue Boot ist unzerstörbar“

von Redaktion

Segel-Held Herrmann über seine Hightech-Yacht und die nächste Welt-Umrundung

München/Lorient – Leinen los hieß es gestern für Segler Boris Herrmann (41) und sein Team. In Lorient wurde die neue Yacht „Malizia – Seaexplorer“ präsentiert. Sie ist das Nachfolgeboot des Schiffes, mit dem der gebürtige Oldenburger im Vorjahr die Einhand-Regatta Vendee Globe auf Platz fünf beendete. Herrmanns spektakuläre Rund-um-die-Welt-Reise mit dem dramatischen Finale, als die Kollision mit einem Fisch-Trawler den möglichen Sieg verhinderte, verhalf dem Segelsport hierzulande zu ungeahnter Popularität und machte ihn zum Sport-Star (er wurde im Vorjahr Hamburgs Sportler des Jahres). Unsere Zeitung sprach mit ihm über das neue Boot und neue Herausforderungen.

Herr Herrmann, nach einem Jahr Bauzeit ist das neue Schiff fertig. Sie waren bei Konzeption und Bau mitbeteiligt, was ist das Besondere am neuen Boot?

Es ist noch stabiler, vor allem bei rauen Seebedingungen. Das Vorgänger-Modell war auf dem Papier, also in der Theorie, im flachen Wasser schneller, wurde aber von Wellen abgestoppt. Und das neue Schiff ist solider gebaut, 40 Prozent mehr Karbon wurden verbaut, es ist ein Schlachtschiff – unzerstörbar.

Und welche Geschwindigkeiten erreichen Sie?

In der Spitze 80 km/h. Aber das bringt nicht viel, wenn du so schnell segelst, dann in eine Welle krachst und auf 20 km/h zurückfällst. Das ist stressig. Entscheidend ist die Durchschnittsgeschwindigkeit. Mit dem Vorgänger-Boot erreichten wir 17 oder 18 Knoten (32,4 km/h, d. Red.), jetzt sind es zwischen 22 und 24 Knoten. Das ist ein gewaltiger Sprung und wäre in etwa so, als ob Formel-1-Autos auf einmal 500 km/h fahren würden.

Wie viele Leute waren am Bau beteiligt?

Segelsport ist immer eine Teamsache. Über 250 waren involviert, 58 Leute arbeiten Vollzeit. Gebaut wurde das Boot in Vannes, aber jetzt sind wir in Lorient. Das ist quasi das Silicon Valley des Segelsports. 20 andere Teams sind vor Ort.

Sie starten im November bei der Route du Rhum, einer Einhandregatta über den Atlantik in die Karibik. Was haben Sie sich vorgenommen?

Wie immer bei einer Regatta: sicher ankommen. Alles andere wäre ein Bonus. Und wir wollen herausfinden, was wir im Winter noch verbessern können.

Im Januar geht’s mit einer mehrköpfigen Crew zum Ocean Race. Was ist der Unterschied zum allein Segeln?

Als Einhandsegler steuert der Autopilot, aber du musst manchmal stoppen, um etwas zu reparieren. Man erreicht also rund 70 Prozent der Leistungsfähigkeit des Bootes. Bei einer mehrköpfigen Crew können immer ein oder zwei Segler im Cockpit alles überwachen und handeln. Da bist du dann schon bei fast 100 Prozent.

Wahrscheinlich geht Ihr Blick auch schon in Richtung der nächsten Vendee Globe 2024/2025?

Na klar, das ist die Triebfeder. Das Teilnehmerfeld wurde auf 40 aufgestockt, 45 haben sich beworben, da müssen sich einige qualifizieren. Aber wir sind mit Sicherheit dabei.

Ihnen ist der Klimaschutz wichtig. An Bord befinden sich wieder Messgeräte, was steht im Fokus?

Der CO2-Gehalt in den Ozeanen. Gerade unsere Daten aus den Südmeeren helfen sehr, um Klimamodelle zu entwickeln. Schließlich nehmen Ozeane ungefähr ein Drittel des CO2 auf.

Wie schwer ist es eigentlich, das monatelange Leben auf See mit der Familie zu vereinbaren?

Es hat Gutes und Schlechtes. Aber meine zweijährige Tochter und meine Frau waren und sind hier in Frankreich für einige Wochen vor Ort. Sie hat ein Schulbuch geschrieben – deshalb kann man das gut vereinbaren. Viele Skipper bei der Vendee haben übrigens Familie und Kinder.

Interview: Bernd Brudermanns

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