München/Washington – Kaum ist er da, ist er auch schon wieder weg. Nachdem Matthijs de Ligt (22) am Montagabend gegen 19.45 Uhr in München gelandet war, absolvierte er am Dienstagmorgen seinen Medizincheck. Bereits um 8.03 Uhr kam der niederländische Nationalspieler standesgemäß im Oranje-Audi am Krankenhaus Barmherzige Brüder an. Knapp zwei Stunden dauerten die Untersuchungen, ehe es für de Ligt weiter zur Vertragsunterzeichnung an die Säbener Straße ging. Die Zeit drängte, immerhin startete um 16.35 Uhr die Lufthansa-Maschine LH414 nach Washington.
Dort traf der neue Münchner Abwehrchef erstmals auf seine künftigen Teamkollegen – und Vorstandschef Oliver Kahn (52). Der schwärmte in den USA vom zweiten Königstransfer: „Er ist groß, zweikampfstark, kopfballstark, er hat ein sehr gutes Aufbauspiel und er ist einer – obwohl er erst 22 Jahre alt ist –, der gerne auch führt, der lautstark, der präsent ist. Ich denke, diese Qualitäten sind sehr wichtig für uns.“
Laut Kahn habe sich der Transfer ähnlich gestaltet wie bei Sadio Mané (30): „Auch Sadio hat ein, zwei Tage überlegt, dann hat er sofort gewusst, er möchte zum FC Bayern. Bei Matthijs de Ligt war es im Grunde genau das Gleiche. Auch er war sofort davon überzeugt, dass er zum FC Bayern will.“ Für den Titan ist der Neuzugang ein wichtiger Mosaikstein, um wieder einen Tick mehr Stabilität in die teilweise wackelige Abwehr zu bekommen.
Darum ist bei Kapitän Manuel Neuer (36) die Vorfreude auf den neuen Vordermann ebenfalls ziemlich groß. „Das ist wirklich jemand, der auch führen kann, der eine Ausstrahlung hat und ein super Verteidiger ist. Und auch von meinem Gefühl her jemand, der dem deutschen Fußball sehr nahesteht. Das heißt, dass er auch keine große Eingewöhnungszeit braucht“, sagte der Torwart und fügte mit einem breiten Schmunzeln an: „Ich als Westfale kann sagen, dass es mit den Holländern immer auch gut funktioniert hat.“
Um 18.01 Uhr, nachdem de Ligt bereits in der Luft Richtung USA war, kam die offizielle Bestätigung des Transfers. 67 Millionen Euro plus bis zu zehn Millionen an Bonuszahlungen über insgesamt vier Jahre soll der Deal schwer sein.
„Ich habe von Anfang an ehrliche Wertschätzung der sportlichen Führung, des Trainers, auch des Vorstandes gespürt, das hat mich überzeugt, wird der Abwehrmann in der Mitteilung zitiert. Sportvorstand Hasan Salihamidzic (45) ergänzte: „Wir wollten Matthijs schon vor drei Jahren nach München holen. Wir waren damals überzeugt von seinen Qualitäten als Abwehrspieler, und wir sind es heute um so mehr. Matthijs passt mit seiner Professionalität, seiner Gier und mit seinem wunderbaren Charakter zu unserer Mannschaft wie zu unseren Ambitionen.“
Konsequenzen für das bestehende Personal muss es durch die neuerliche Kaderaufstockung nicht geben. Eher im Gegenteil. Die kostspielige Einkaufstour muss noch lange nicht zu Ende sein. Mit über 120 Millionen Euro Ablöse küren sich die Münchner zumindest vorerst schon zu den Shopping-Champions Europas – und haben weitere Zugänge im Blick. „Überall verstärken sich die Clubs weiter. Des Rennen hört ja jetzt nicht auf“, sagte Kahn im Mannschaftshotel in Washington, fußläufig 20 Minuten vom Weißen Haus entfernt.