Deutsche Medaillen-Tristesse

von Redaktion

LEICHTATHLETIK-WM DLV-Team noch ohne Edelmetall – für die Highlights sorgen andere

Eugene – Wieder nichts. Auch am vierten Tag der Leichtathletik-WM hält die Medaillen-Flaute der Deutschen weiter an. In Eugene will es einfach nicht laufen. Schon 19 Nationen konnten bisher eine Medaille erringen, der DLV nicht. Einzig das Diskus-Trio um Claudine Vita, Shanice Craft Kristin Pudenz lieferten einen Lichtblick. Auf den Rängen vier bis sechs qualifizierten Sie sich allesamt für das Finale.

In der Nacht zu Donnerstag hoffen Sie nun auf die ersten Medaillen fürs deutsche Team. Auch Läuferin Konstanze Klosterhafen startet in der Nacht ihren Angriff über die 5.000 Meter. Die WM-Dritte von 2019 hatte allerdings eine schwierige Vorbereitung. Erst kürzlich infizierte Sie sich mit dem Coronavirus, testete ganze 15 Tage positiv.

Sollten also werder Klosterhafen noch die Diskuswerferinnen für einen Erfolg sorgen, wird wohl spätestens Malaika Mihambo die ersehnte Medaille für Deutschland erspringen. Für Highlights in der Nacht waren aber Andere verantwortlich. Ein Überblick.

BEINAHE-AL(L)BTRAUM:

Valarie Allman scheint auf Diskus-Gold abonniert, die Olympiasiegerin war die mit Abstand Quali-Stärkste. Das ist aber nur die Hälfte der Geschichte: Die US-Amerikanerin schien beim Heimspiel von der Rolle, fabrizierte zwei ungültige Versuche. Bei Nummer drei hielt das Hayward Field die Luft an, Allman knallte die Scheibe auf 68,32 und feierte dies wie den WM-Titel. Fazit: Puh. HÖCHSTSPRUNG:

„Woo“ statt „Puh“ hieß es hingegen im Männer-Hochsprung, der wie bei Olympia zum Hit wurde. Der Südkoreaner Woo Sang Hyeok verlangte dem hohen Favoriten Mutaz Essa Barshim alles ab – getragen von der Südkurve im Hayward Field, welche die Versuche des Herausforderers im isländischen Fußball-Duktus mit „Woo! Woo!! Woo!!!“ beschallte. Letztlich feierte Barshim mit 2,37 m seinen dritten WM-Titel vor Woo (2,35). Bei Olympia hatte der Katarer gemeinsam mit Gianmarco Tamberi ein denkwürdiges Doppel-Gold bejubelt, diesmal freute sich der Italiener (Vierter) strahlend über den Solosieg seines Kumpels. Bronze ging an Andrij Prozenko (beide 2,33), der damit die erste Eugene-Medaille für die Ukraine holt. Nicht wirklich mitfeiern bei der Hochsprung-Party konnte Mateusz Przybylko, der Leverkusener blieb nach 2,24 m hängen – Platz zwölf. Für den Europameister will es bei weltweiten Großereignissen nicht so wirklich klappen. „Mir haben die Kräfte gefehlt. Ich dachte, ich kippe gleich um“, sagte Przybylko später.

VENEZUELAS STOLZ:

Olympiasiegerin, Weltrekordlerin und nun zum dritten Mal Weltmeisterin – keine Leichtathletin dominiert derzeit ihre Disziplin wie Yulimar Rojas den Dreisprung. In Eugene zog sie eine grandiose 15,47-m-Show ab, siegte mit über einem halben Meter Vorsprung. In ihrem Heimatland, dem krisengeschüttelten Venezuela, ist die Überathletin ein kleiner Quell regelmäßiger Freude für die gebeutelten Landsleute – auch wenn Rojas’ Lebensmittelpunkt längst in Spanien liegt.

ENGAGEMENT:

Über 3000 m Hindernis gewann, wie erwartet, Marokkos Olympiasieger Soufiane El Bakkali. Nicht zu erwarten war, dass ein vom Dreisprung gefesselter Kameramann mitten im Finale mitten auf der Laufbahn stand – mit dem Rücken zum herannahenden Feld. Anders als 2015, als in Peking ein filmender Segway-Fahrer den großen Usain Bolt ummähte, tat sich diesmal aber niemand weh: Die Läufer umkurvten den erschrockenen Medienarbeiter. sid

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