Washington – Bereits zum fünften Mal reist der FC Bayern vom 18. bis 24. Juli in der Saisonvorbereitung in die USA. Die Vereinigten Staaten sind längst mehr als nur ein PR-Projekt: Weltweit boomt keine andere Liga so sehr wie die Major League Soccer. Während immer mehr Bundesliga-Profis den Sprung über den Atlantik wagen, gehen viele Rohdiamanten den umgekehrten Weg. So wie der Bayer Julian Gressel.
Für ihn wäre Donnerstagnacht (1.30 Uhr deutscher Zeit) ein Traum in Erfüllung gegangen. Eigentlich. Denn statt mit Washington D.C. in einem Testspiel den FC Bayern herauszufordern, guckt Gressel plötzlich in die Röhre. Der gebürtige Franke wurde Opfer des nordamerikanischen Trading-Systems und ohne sein Wissen zu den Vancouver Whitecaps transferiert. Auf die andere Seite des Kontinents, rund 3800 Kilometer Luftlinie entfernt seinem Haus in Washington, in ein anderes Land. Hintergrund: Weil alle Spieler ihre Verträge mit der MLS und nicht mit den Vereinen abschließen, können sich die Klubs auf einen Tausch einigen, ohne die Sportler vorher fragen zu müssen.
„Ich wurde völlig im Dunkeln gelassen. Mir wurde gesagt, dass ich kein Spieler von D.C. United mehr bin, während ich ihre Trainingskleidung trug. … Das ist nicht lustig, das ist ziemlich beschissen“, sagte Gressel in seinem „Zee Soccer Podcast“. Die Krönung aus seiner Sicht: Unmittelbar nach dem Gespräch gab der Klub den Trade an die Presse weiter.
Eine Gelegenheit, seine Frau Casey über den Wechsel informieren zu können, hatte Gressel dadurch nicht. Sie erfuhr den Trade von einem Freund. Unsere Zeitung sprach vor gut zwei Wochen mit Gressel, unter anderem auch über seinen Einbürgerungsprozess. „Die Greencard habe ich seit drei Jahren. Der Prozess für die amerikanische Staatsbürgerschaft läuft. Es ist alles beantragt. Jetzt warte ich ab, bis die Unterlagen weiterbearbeitet werden“, Gressel. Um vielleicht irgendwann für die US-Nationalmannschaft aufzulaufen? Gressel: „Wenn es so weit ist, muss ich meine Leistung bringen. Der Rest kommt dann von allein.“
JOHANNES OHR