Der Traum platzt in der Verlängerung

von Redaktion

1:2 – Ohne Torjägerin Alexandra Popp verlieren die DFB Frauen gegen England

London – Die deutschen Fußballerinnen schlichen mit hängenden Köpfen und verheulten Augen durch das Spalier der Engländerinnen, die Silbermedaillen waren kein Trost für Alexandra Popp und Kolleginnen. Ohne Anführerin Popp hatten die DFB-Frauen kurz zuvor den neunten EM-Titel nach einem Kampf auf Biegen und Brechen verpasst. Der Rekordeuropameister verlor das Finale von Wembley 1:2 (1:1, 0:0) nach Verlängerung gegen Gastgeber England und kassierte damit seine erste EURO-Endspielniederlage.

„Unsere Nationalmannschaft hat den deutschen Fußball bei der EM herausragend vertreten“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf dennoch.

Für Svenja Huth war das zunächst ein schwacher Trost. „Es tut gerade einfach nur schweineweh“ sagte die Ersatzkapitänin: „Wir haben 120 Minuten alles gegeben und uns auch vom Rückstand nicht schocken lassen. Leider haben wir uns nicht belohnt.“

Die eingewechselten Ella Toone (62.) und Chloe Kelly (110.) erzielten vor der ohrenbetäubend lauten EM-Final-Rekordkulisse (Frauen und Männer) von 87 192 Zuschauern die Treffer für die Engländerinnen, die ihren ersten großen Titel holten. Lina Magull (79.) hatte zwischenzeitlich ausgeglichen.

Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die zuletzt bei Olympia 2016 ganz oben stand, muss bei der WM im kommenden Jahr einen neuen Anlauf nehmen. Trösten können sich die Spielerinnen des zweimaligen Weltmeisters mit einer Finalprämie von 30 000 Euro.

Nicht im Finale dabei war Kapitänin und Torgarantin Popp, die wegen muskulären Problemen ausfiel. Die 31-Jährige hatte zuvor in allen fünf Spielen getroffen. Laut DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff erlitt Popp am Samstag eine „leichte Zerrung“.

Die Zuschauer in London, darunter jede Menge Prominenz wie Bundeskanzler Olaf Scholz, Innenministerin Nancy Faeser, Prinz William, DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Bundestrainer Hansi Flick und Bierhoff, sahen nach 180 Sekunden die erste Chance der Engländerinnen durch Ellen White.

Die DFB-Elf wurde über weite Strecken der hitzigen Partie zunächst in die Defensive gedrängt. Echte Chancen konnten sich die Engländerinnen aber nicht erarbeiten.

Mitte der ersten Hälfte befreiten sich die Deutschen vom englischen Druck. In der 25. Minute hätte Marina Hegering nach einer Ecke den Ball fast über die Torlinie gestochert. Ein potenziell strafbares Handspiel der englischen Kapitänin Leah Williamson in dieser Szene wurde per Videobeweis zu Ungunsten der DFB-Auswahl überprüft.

Danach passierte erst einmal nicht mehr viel. Beide Mannschaften neutralisierten sich. Das änderte sich in der 38. Minute, als erneut White die englische Führung auf dem Fuß hatte.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs drehten die Deutschen auf. Die eingewechselte Tabea Waßmuth (48.) und Magull (50.) vergaben die Chancen zur Führung. Danach wurde die Gangart noch einmal härter, nach einer Stunde hatte Schiedsrichterin Katerina Monsul (Ukraine) bereits fünf Gelbe Karten verteilt.

Beim Gegentreffer von Toone war die deutsche Abwehr zu weit aufgerückt. Magull hätte postwendend den Ausgleich erzielen können, traf aber nur den Pfosten (66.). Danach warfen die Deutschen alles nach vorne, Magull belohnte das anrennende DFB-Team mit dem Ausgleich.

In der Verlängerung waren die Deutschen aktiver, Kelly spitzelte den Ball nach einer Ecke aber über die Linie.

Schon vor dem Finale war klar, dass unabhängig vom Ausgang am Montagnachmittag in Frankfurt/Main gefeiert wird. Die Mannschaft präsentiert sich ihren Fans auf dem Rathausbalkon am Römer. sid

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