Manchmal ist der letzte Schritt gar nicht mehr so wichtig, weil der Weg bis dorthin das Ziel war. Wir haben das ja schon oft erlebt: Etwa beim FC Bayern 2010, als er unter seinem Trainer Louis van Gaal einen der Attraktivität verpflichteten Fußball entwickelte und sich von seinem Ergebniszynismus verabschiedete – die Champions-League-Finalniederlage gegen Inter Mailand musste nicht als Tragödie empfunden werden. Oder im gleichen Jahr, kurz danach, die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika: Ein Team erfand sich, befreit von der erdrückenden Prominenz des berühmten Michael Ballack, spielerisch neu und wurde mit Akteuren verschiedenster Backgrounds zu einer gesellschaftspolitischen Erleuchtung. Das Aus im Halbfinale gegen reife Spanier nahm der jungen Mannschaft nichts von ihrem Glanz. Und so ähnlich verhielt es sich nun mit den Frauen: Im Finale der EM gegen England, die Gastgeberin, verloren, nach Verlängerung, unglücklich, da zur Unzeit ohne die Torgarantin Alexandra Popp – kein Grund zu trauern.
Mit der Entscheidung, die Mannschaft ungeachtet des Finalergebnisses nach Rückkehr auf dem Frankfurter Römer zu empfangen, war vorab eine Bewertung der Vorstellung in den Wochen in London erfolgt. Auch wenn ein DFB-Frauen-Team schon achtmal Europameister geworden war und große Spielerinnen wie Birgit Prinz und Steffi Jones hervorbrachte, so steht der zweite Platz von 2022 über etlichen Titeln. Weil die Umstände andere sind. Die Konkurrenzsituation im Fußball der Frauen hat sich verschärft, es hat – wie das auch bei den Männern der Fall war – eine Entwicklung stattgefunden in puncto Athletik, Tempo, Technik. Da ist was übergesprungen in diesem Sommer. Die Atmosphäre der EM-Spiele wurde nur anfangs vom Kieksen zwangsverpflichteter Schulklassen bestimmt – am Ende schaute auch das klassische Publikum zu und nahm echten Anteil.
Ob dies der Beginn eines Booms ist? Vielleicht – abgesehen von Eventspielen – wird das nicht im Stadion spürbar, aber an der Basis: Indem Mädchen sich für Fußball entscheiden. Für den DFB wäre es das größte Glück.
Guenter.Klein@ovb.net