Als Bayerns Zauberer grübeln musste

von Redaktion

Musiala überragt bei den Münchnern – die Entscheidung pro Deutschland fiel nicht leicht

VON MANUEL BONKE UND PHILIPP KESSLER

München – Jamal Musiala (19) ist beim FC Bayern nicht mehr wegzudenken: Bei der 6:1-Gala in Frankfurt war der Youngster der überragende Mann auf dem Platz und krönte seinen starken Auftritt mit einem Doppelpack, sodass selbst Sporvorstand Hasan Salihamidzic (45) meinte: „Warum sollte man ihn draußen lassen? Er ist sehr gut drauf, macht Tore, ist wichtig für unser Spiel.“ Und England-Legionär Ilkay Gündogan (31) von Manchester City adelte seinen Nationalmannschaftskollegen jüngst als das größte Talent Deutschlands. „Ich will mich weiterentwickeln, mehr Spielzeit bekommen und mehr Tore schießen. Ich will in allen Bereichen einen Schritt nach vorne machen“, nannte Musiala jüngst seine persönlichen Saisonziele in einem BR-Interview. Für Trainer Julian Nagelsmann (35) stand und steht ebenfalls außer Frage, was für ein unfassbares Talent Musiala hat. Vergangene Saison schmorte der Dribbler trotzdem häufig auf der Bank. „Diese defensive Verlässlichkeit hat letztes Jahr manchmal gefehlt. Deswegen hat er vielleicht auch einen Tick zu wenig gespielt, weil er im Gegenpressing und Attackieren nicht immer voll dabei war. Gar nicht absichtlich, sondern im Wahrnehmen der Situation. Das macht er jetzt viel, viel besser.“

Musiala ist nun vollends in Fußball-Deutschland angekommen, nachdem er im Sommer 2019 seine Zelte in England für den deutschen Rekordmeister abgebrochen hatte. Dabei haderte der Überflieger lange mit dieser Entscheidung, wie er verrät: „Ich habe schon oft harte Entscheidungen in meinem Leben getroffen. Als ich nach Bayern gezogen bin, war das auch nicht leicht, weil Chelsea war wie meine Komfortzone. Da waren alle meine Freunde, wir waren eine Familie. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt hier in Deutschland.“ Zur Erinnerung: Musiala und seine Familie zogen im Jahr 2010 von Fulda nach Southampton, wo der damals Siebenjährige seine noch junge Karriere fortsetzte. Kurze Zeit später wurde der FC Chelsea auf den Wunderknaben aufmerksam. Bei den Blues spielt Musiala fortan bis zur B-Jugend und durchläuft – abgesehen von zwei Spielen in der U16 des DFB – sämtliche Jahrgänge der englischen Nachwuchsnationalmannschaft. Aus dieser Zeit stammt auch seine enge Freundschaft mit dem Dortmunder Jude Bellingham (19).

Doch im März 2021 trennen sich die Wege der beiden Ausnahmetalente: Musiala hat sich entschieden, künftig für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen. „Ich hatte viele schlaflose Nächte. Man weiß in dem Moment wirklich nicht, was die richtige Entscheidung ist. Man fragt sich immer, was das Beste ist. Ich habe lange drüber nachgedacht und mit Leuten darüber gesprochen.“

Unter Ex-Bundestrainer Joachim Löw (62) debütiert er, auf Jogi folgt sein bis dahin größter Bayern-Förderer: Hansi Flick (57). Der Nationaltrainer ermöglicht Musiala noch mehr Spielminuten im DFB-Dress, setzt ihn regelmäßig als Sechser ein – und Musiala sorgt auch auf dieser Position für magische Momente. Das WM-Ticket hat Musiala schon jetzt sicher, wenn er sich nicht verletzt. Kein Wunder, dass er heute sagt: „Es war die richtige Entscheidung, für Deutschland zu spielen.“

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