Gefährlicher August

Trikotkauf nur mit Versicherungspolice

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

In deutschen Eisstadien sieht man sie häufig: Menschen, die sich verkalkuliert haben. Die, wenn ihr Verein einen neuen Kanadier verpflichtete, dachten: Das wird der Star. Sie kauften sich dann ein Trikot mit seinem Namen und seiner Nummer drauf. Was das Eishockey aber kennzeichnet: eine hohe Fluktuation bei den Spielern, viele sind nur eine Saison da und verschwinden danach wieder in ihrer Farmteamliga in Nordamerika. Wenn der Fan sich nicht jedes Jahr ein neues Trikot kaufen will, muss er die missratene Personalpolitik seines Clubs und die eigene Fehleinschätzung noch lange Zeit auf dem Rücken tragen.

Im Fußball ist mehr Konstanz, da darf der Kunde sich sicher sein, dass er das Sadio-Mané-Bayern-Trikot nicht in einem Jahr zum Altkleider-Container bringen muss. Sogar wer dem FC Augsburg zugetan ist, kann bedenkenlos zugreifen, denn selbst Jan Moravek war zehn Jahre im Verein, ohne groß aufzufallen. Trotzdem gibt es auch in dieser umsatzstärksten und daher stabilsten Sportart immer wieder Fälle schmerzhaftesten Wertverfalls von frisch gekauftem Gewand. Na, wer ist als Anthony Modeste 2022/23 am Sonntagabend ins Müngersdorfer Stadion gegangen? Der glaubte entweder naiverweise an das Gute im Fußballprofimenschen oder las nie einen Transfergerüchte-Ticker. Gut, es war eben auch einfach Pech, weil Dortmund plötzlich einen Stürmer brauchte.

Die Lehre: Ein Trikotkauf – und die Polyesterknisterdinger sind ohnehin schon grenzwertig teuer – will gut überlegt sein, solange einerseits die Saison schon läuft, andererseits das Transferfenster noch offen steht. Vielleicht sollte mit dem Trikotkauf eine Versicherung angeboten werden, die dann den Schaden übernimmt. Oder der Verein wird verpflichtet, einen Spieler zu verpflichten, dessen Name aus den Buchstaben des abgegebenen gebildet werden kann. Viele Optionen gibt es nach M-o-d-e-s-t-e aber nicht.

Und noch ein Ratschlag: Man sollte ein Trikot nicht gleich wegschmeißen, nur weil der Name nicht mehr passt. Wie viele Leipziger Herzen mag Timo Werner vor zwei Jahren gebrochen haben, als es ihn nach England zog. Doch wer den „Werner“ noch im Schrank und sich noch keinen „Nkunku“ gekauft hat, ist jetzt der Gewinner und steht für Nachhaltigkeit und Tradition. Keinesfalls muss ein Rasenballsportler ein neues Werner-Trikot erwerben, denn zum Glück ist der Trikotsponsor noch derselbe wie damals.

Guenter.Klein@ovb.net

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