Serena Williams

Ein Vorbild über den Sport hinaus

von Redaktion

THOMAS JENSEN

Eine gewöhnliche Rücktrittsankündigung? Nicht mit Serena Williams. 3 612 Wörter lang ist der Online-Artikel, in dem sie ihre Karriere Revue passieren lässt und beschreibt, wie schwer ihr die „Evolution weg vom Tennis“ fällt. Typisch Williams, unspektakulär ist nicht ihre Art. Aber: Das Karriereende in einem Nebensatz zu erwähnen, wäre nicht passend gewesen. Dazu hat sie nicht nur als Sportlerin eine zu große Bedeutung, sondern auch als Mensch, der für so viel mehr steht, als gelbe Filzkugeln über ein gespanntes Netz zu befördern.

Zum Beispiel, was mit Glaube an sich selbst und Durchhaltevermögen möglich ist. Aufgewachsen ist die US-Amerikanerin in einfachen Verhältnissen in Compton bei Los Angeles und gewachsen zu einer der größten Tennisspielerinnen aller Zeiten – erst kürzlich war diese unwahrscheinliche Geschichte im Kino zu sehen.

Filmreifer Stoff, der Vorbilder ausmacht. Genauso vorbildhaft war ihre stetige Positionierung gegen Rassismus und gegen Benachteiligung von Frauen. Oder auch ihre Präsenz als Mutter, die Leistungssport betreibt, und mit der sie den Herausforderungen und Leistungen von Müttern weltweit Aufmerksamkeit brachte.

Oft hat die 40-Jährige dabei polarisiert. Oft auch übertrieben und womöglich die Grenzen zwischen persönlichen Engagement neben dem Platz und handelsüblichen Tennismatches verwischen lassen. Matches, bei denen die Gegnerin genauso viel Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte, wurden dann zu Williams-Shows, etwa das US-Open-Finale 2018 gegen die Japanerin Naomi Osaka. Aber in all diesen Szenen war das sichtbar, was man bei jedem ihrer Matches auch über den Fernseher spürte: Grenzenlose Leidenschaft, für das wovon sie überzeugt war, für das was sie liebte und das war vor allem Tennis.

23 Grand-Slam-Titel haben ihr diese Hingabe eingebracht, nur Margaret Court hat einen mehr. Die US Open im September werden die letzte Chance sein, noch gleichzuziehen. Doch auch so: Diese 23 ist so eine unfassbare Zahl – es gibt keine höhere Etage, in die Sportler aufsteigen können. Trotzdem ist es nicht das einzige, was einem zu Serena Williams einfällt, es überstrahlt den Rest ihrer Geschichte nicht. Wie außergewöhnlich.

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