„Ich mag es kurz und knackig“

von Redaktion

Bahnrad-Star Emma Hinze vor der Heim-EM über Gefahren, Postboten und Gänsehaut

Emma Hinze (24) startet morgen im Teamsprint in die Bahnrad-EM. Das Interview mit der Silbermedaillengewinnerin bei Olympia 2021 und der fünffachen Weltmeisterin.

Emma Hinze, Sie haben eine Etappe der Tour de France besucht. Alpe d´Huez hoch, wäre das auch mal was für Sie?

Als ich kleiner war, bin ich auch auf der Straße gefahren. Da habe ich aber schon gemerkt, dass das nicht mein größtes Talent ist (lacht). Ich mag es lieber kurz und knackig. Die Eindrücke, die Tour mal so hautnah zu erleben, waren aber super.

Die Deutschen Meisterschaften haben Sie dominiert. Ein gutes Vorzeichen für die EM?

Die Deutsche Meisterschaft hat mir auf jeden Fall ein gutes Gefühl gegeben. Man merkt, dass man gut trainiert hat, viele Sachen richtig gemacht hat. Aber bei der EM werden die Karten wieder neu gemischt. Zudem ist es anders als bei der DM eine 200-m-Bahn. Ich gehe also auf keinen Fall davon auf, dass das ein Selbstläufer wird.

Haben Sie mit steigendem Erfolg auch mehr Interesse am Bahnrad-Sport vernommen?

Seit den drei WM-Titeln 2020 habe ich gemerkt, dass die Aufmerksamkeit gestiegen ist. Und ich in Cottbus auch mal häufiger erkannt werde (lacht). Mir gefällt das super, das ist cool. Auch durch das Format der Champions League ist unser Sport noch mal ganz anders an die Leute ran getragen wurden. Wir hatten Sichtbarkeit im TV und vor allem wurde alles richtig gut erklärt. Wenn ich einschalte und beispielsweise ein Zweier-Mannschaftsfahren sehe, weiß ich ja manchmal selbst nicht, wo ist hier der Anfang und wo das Ende.

Auch Ihr Postbote erkennt Sie mittlerweile …

… Das stimmt. Der muss aber auch denken, dass ich ein Messie bin, so viele Pakete wie ich bekomme (lacht).

Kristina Vogel nannte Sie aufgrund der Fahrweise mal „das Mädchen mit den dicksten Eiern“.

Vor dem Start konzentriere ich mich wirklich nur auf das Rennen. Alles drumherum blende ich aus. Ich möchte natürlich Selbstbewusstsein ausstrahlen. Das passiert alles bewusst. Während des Rennens passiert dann aber viel instinktiv. Man weiß ja nie, wie sich alles entwickelt, was der Gegner macht. Es ist immer ein blitzschneller Wechsel zwischen Agieren und Reagieren.

Wie gehen Sie den einzelnen Wettbewerb an?

Ich habe eine Routine und versuche mich, vor dem Wettbewerb in einen gewissen Zustand zu versetzen. Ich weiß aber auch, dass ich gewinnen kann, wenn das mal nicht funktioniert. Das ist sehr beruhigend. Wenn wir acht Minuten Pause zwischen den Läufen haben, versuche ich, acht Minuten zu atmen und klarzukommen (lacht). Da kann man nicht sofort wieder diesen Zustand erreichen.

Ist man sich der Gefahr des Sports immer bewusst – oder doch schon alles Routine?

Wenn wir uns gerade darüber unterhalten, ist mir natürlich bewusst, was alles passieren kann. Aber Angst ist immer ein hemmender Faktor, da macht man nur mehr Fehler. Wir trainieren das jeden Tag. Ich versuche einfach das umzusetzen, was ich jeden Tag trainieren. Über mögliche Stürze denke ich nicht nach.

Die Finaltage beim Bahnrad waren schnell ausverkauft. Nimmt man die Unterstützung von außen wahr?

Ich nehme das absolut wahr. Ich hatte gerade direkt wieder Berlin, die WM 2020, vor den Augen. Da hat mich das Publikum so doll angefeuert und durch die Halle getragen. Da bekomme ich sofort wieder Gänsehaut. Das ist so ein cooles Gefühl, wenn alle deinen Namen rufen und das Publikum hinter dir steht.

Haben Sie ein konkretes Ziel für die EM?

Ich weiß schon, dass ich dahinfahre und gewinnen will. Das ist aber auch schwer, weil es mittlerweile die meisten von mir erwarten. Mich jetzt hinzustellen und zu sagen: ´Ich werde Vierte und finde das voll okay´ passt halt nicht so. Ich habe auf jeden Fall noch Platz für ein EM-Trikot (lacht).

Interview: Nico-Marius Schmitz

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