Ausgerechnet Dennis Rodman. Der ehemalige Basketball-Rüpel möchte das schaffen, was hochrangige Politiker und Diplomaten seit Monaten versuchen. Die US-amerikanische Basketballerin Brittney Griner aus der Haft in Russland zu befreien.
Mit dieser Mission greift der 61-Jährige, der früher Rebounds besser als jeder andere abgegriffen hat, zu hoch. Auch wenn es gut ist, dass sich aktive und ehemalige Sportlinnen und Sportler politisch engagieren. Die NBA, deren Kosmos er immer noch angehört, ist hier teilweise Vorbild.
In kaum einer anderen Liga weltweit sind die Stars so offen politisch aktiv. Um gegen Rassismus zu protestieren, ist es in der Basketballliga kein Problem, sich vor Spielen hinzuknien, während die Hymne ertönt. Anders als zum Beispiel in der NFL. Die Liga, aus der die Geste ursprünglich stammt, wollte sie zwischenzeitlich sogar verbieten. Auch Spielboykotte wegen der Polizeigewalt gegen Schwarze 2020 oder zur gleichen Zeit antirassistische Botschaften auf den Trikots gab es in der NBA.
Ohne Einschränkung gilt diese Toleranz der Meinungen in der Liga allerdings nicht. Das lernte die Öffentlichkeit 2019, als sich der Manager der Houston Rockets mit den prodemokratischen Demonstranten in Hongkong solidarisierte. Es folgten kleinlaute Entschuldigungen, um zu verhindern, dass das Team in China zensiert wird. Auch Enes Kanter ließ es die Öffentlichkeit wissen. Der einstige Türke und jetzige US-Amerikaner machte öffentlich, dass Vertreter der Liga verhindern wollten, dass er Schuhe mit der Aufschrift „Free Tibet“ trug.
Rodmans Vorhaben geht nun ja sogar weiter, als nur Botschaften zu verbreiten. Trotzdem greift er damit nicht nur zu hoch, er vergreift sich. So wie 2013, als er nach Nordkorea reiste und den Diktator Kim Jong-un einen „Freund fürs Leben“ nannte. Auch der US-Regierung gefallen Rodmans Pläne nicht. Ein Sprecher von Präsident Joe Biden teilte mit, dass alle Maßnahmen abseits der Verhandlungen der amerikanischen Regierung „die Freilassungsbemühungen erschweren und behindern“ würden. Zu hoffen bleibt, dass das nicht passiert. Und dass Rodman mit seinem Besuch dem russischen Regime keinen Gefallen tut, indem propagandataugliche Aussagen und Bilder entstehen. Und dass er sich nicht mit Drogen am Flughafen erwischen lässt.
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