München – Wer hier als Sportfan nicht mitgerissen wird, dem ist nicht mehr zu helfen“, sagt Thomas Weikert, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes unserer Zeitung. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann findet, es sei „höchste Zeit, dass wieder Winter- oder Sommerspiele“ in Deutschland stattfinden. Und der Sprecher des für den Sport zuständigen Bundesinnenministeriums assistiert den Olympiafans mit den Worten: „Wir unterstützen natürlich die Perspektive einer deutschen Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland!“
Aber was sagt die Bevölkerung? Das wird die entscheidende Frage sein bei einem erneuten Olympia-Anlauf Münchens – und genau das wird nach den berauschenden Tagen der European Championships diskutiert: Darf München wieder von den Spielen träumen? Dass die Multi-EM auch bei den Fans flugs in Mini-Olympia umbenannt wurde, ist immerhin ein Indiz für die Stimmungslage.
Und die ist für Politiker bekanntlich wichtig. Karl Freller (66, CSU), Vizepräsident des bayerischen Landtags und von 1998 bis 2007 Sport-Staatssekretär, befürwortet eine Bewerbung. „Nach der Fußball-WM 2006 hat Bayern dieser Tage mit den European Championships ein zweites sportliches Sommermärchen erlebt. Es ist nach einem halben Jahrhundert durchaus Zeit, den Hut für eine erneute Bewerbung zur Ausrichtung Olympischer Spiele in den Ring zu werfen.“ Damit nimmt eine Diskussion Fahrt auf, die auch den bisher eher zurückhaltenden DOSB mitnimmt. „Wir wollen Olympia angehen“, sagte Weikert jetzt der FAZ, und das ist keine Überraschung mehr – und doch ist da nach wie vor ein großes „Aber“: Ohne die Unterstützung der Bevölkerung wird es nicht gehen. Wenn die Nein sage, ergebe es auch „keinen Sinn“, Olympische Spiele in Deutschland zu veranstalten, betont Johannes Herber, der Geschäftsführer vom Verein Athleten Deutschland. „Das Warum steht vor dem Wann, Wo und Wie“, sagte auch Weikert
Also: Zunächst soll den Deutschen vermittelt werden, warum es wieder Olympia in ihrem Lande braucht. Die vergangenen beiden Versuche einer Bewerbung von München für 2022 und Hamburg für 2024 blieben im Ansatz stecken: Beide Male wurde eine Volksbefragung durchgeführt, beide Male fiel das Urteil der Bürger vernichtend aus – auch, weil es eine Skepsis gegenüber dem IOC und dessen Boss Thomas Bach gibt. „Ich habe das Gefühl, dass es in Deutschland Vorbehalte gegen Olympia gibt“, sagt der Schweizer Marc Jörg, einer der Erfinder der European Championships. Totale Kontrolle wolle das IOC ausüben, das lehnen die Menschen ab. Doch in dieser Hinsicht glaubt Weikert eine Änderung zu bemerken. „Ich habe das Gefühl, dass Thomas Bach ganz genau weiß, dass es mit dem Gigantismus vorbei ist, und das ist die richtige Richtung“, sagte er im Interview.
Klar ist schon jetzt: Sollte der DOSB auch auf seiner Mitgliederversammlung im Dezember wie zu erwarten dem Präsidiumsbeschluss folgen, ist neben einer zündenden Verkaufsidee auch ein langer Atem gefragt. Ein sehr langer Atem. Für die Winterspiele 2030 ist der DOSB schon zu spät dran, die Sommerspiele sind schon bis 2032 vergeben. Das nächste realistische Datum wäre also 2034, und das hieße: Winterspiele.
mm/dpa