Neuer Ablösewahn im Fußball

Geben wir Brazzo unser Geld!

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Für uns ist das die Meldung, die uns an diesem Tag am meisten zum Staunen brachte: Der schwedische Fußballspieler Alexander Isak wechselt von Real Sociedad San Sebastian zu Newcastle United, er soll mindestens 70 Millionen Euro kosten. Isak, war da nicht mal was? Aber ja doch: Alexander Isak war vor fünf Jahren von Borussia Dortmund gekauft worden. Der Preis damals: 8,6 Millionen. Bundesligaspiele für den BVB: fünf. Tore: keines. Irgendwann hatten die Dortmunder den Glauben an ihn verloren, denn sie verliehen ihn in die Niederlande, zu dem Club mit dem kuriosen Namen Willem II Tilburg, bekannt aus dem 70er-Jahre-Sommerlochfüller Intertoto-Cup.

Kein Vorwurf an den BVB, dass er Isak vielleicht falsch eingeschätzt oder nicht richtig gefördert hat, die Schwarz-Gelben beweisen oft genug, dass sie eine vorzügliche Talentschmiede sind. Was uns irritiert, aufwühlt und zu Gedanken anspornt, ist: Wie kann ein Spieler, der beim Weiterverkauf von Dortmund nach Spanien vor drei Jahren noch 15 Millionen wert war, nun bei 70 stehen? War seitdem nicht eine Pandemie, die den Profifußball in seinem Geschäftsmodell bedrohte? Alexander Isak jedoch erfuhr eine Kurssteigerung wie allenfalls die Aktie von Rheinmetall (aus bedauerlichen Gründen).

Wäre das nicht die Kapitalmarkt-Idee? In begabte Kicker investieren und mitverdienen, wenn ihre Karriere durch die Decke geht. Vielleicht über einen Fonds „WorldSoccerTalents100“, der idealerweise von Hasan Salihamidzic verwaltet wird (Brazzo Invest), denn der hat derzeit einen Lauf, dass er jeden Mitläufer nach ein, zwei Jahren Bayern für ein Vielfaches vertickt. Der clevere Anleger würde jetzt wohl bei Transferrechten an Fußballerinnen einsteigen, denn vielleicht stehen wir in ein paar Jahren nicht nur bei Equal Pay, sondern auch bei Equal Ablöse. Womöglich muss sogar die Kapitalrente in Deutschland über beherzte Investition in den großen Fußball laufen.

Nur leider: Die FIFA war schneller, sie hat schon vor Jahren verboten, was „Third Party Ownership“ genannt wird. Ein Spieler darf ausschließlich einem Verein (oder der mit ihm verbundenen Kapitalgesellschaft) gehören – oder er ist nach Ablauf seines Zeitvertrags ablösefrei und gehört somit wieder sich selbst. Und wenn die FIFA etwas vorschreibt, halten sich sicher alle daran.

Guenter.Klein@ovb.net

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