Hektisches Shoppen

von Redaktion

Frankfurt sucht den Trapp-Nachfolger, Stuttgart zwei Stars, Gladbach will einen Nationalspieler

Köln – Kevin Trapp könnte Eintracht Frankfurt zum Frustshoppen auf den überhitzten Torwartmarkt schicken. Der VfB Stuttgart muss wohl mit dickem Geldbeutel vorne wie hinten Lücken schließen. Bayer Leverkusen reagiert auf den Fehlstart mit Personal- statt Trainerwechsel. Die letzte Woche vor Transferschluss wird bei einigen Bundesligisten für reichlich Hektik sorgen – nicht alle können sich so entspannt zurücklehnen wie die „Frühbucher“ des FC Bayern.

„Man liest und hört, Gerüchte hier, Gerüchte da“, sagte der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche am Dienstagabend bei Amazon Prime, er gehe in der Causa Trapp aber „stark davon aus, dass er mit uns Champions League spielt“.

Krösche allerdings ist erfahren genug zu wissen: Sollte Manchester United im Werben um Europa-League-Held Trapp ernst machen, ist die Eintracht nur noch Passagier. Kurz vor der Deadline (1. September, 18.00 Uhr) einen Nationaltorhüter zu ersetzen, das ist nicht nur eine finanzielle Herausforderung. Und das ist den Mechanismen des Marktes geschuldet.

Jenseits der Bayern befinden sich die Bundesliga-Klubs nicht an der Spitze der Transfer-Nahrungskette. Die wird von den großen Haien vornehmlich aus England bevölkert – und die beißen gerne spät auch auf dem deutschen Markt zu. Hernach haben die betroffenen Bundesligisten zwar Geld – aber noch mehr Handlungsdruck.

Beispiel Stuttgart: Der VfB könnte kurzfristig noch Stürmerstar Sasa Kalajdzic (Wolverhampton) und Abwehr-Ass Borna Sosa (Bergamo) gegen rund 40 Millionen Euro eintauschen, müsste dann aber eilig nachbessern. „Es ist bei mir nichts Konkretes auf dem Tisch“, sagte Sportdirektor Sven Mislintat: „Aber der Markt wird nochmal heiß werden.“

Das geschieht dann gerne am ominösen „Deadline Day“ – und wer dann mit frisch gefüllter Geldtasche noch einmal ins Geschäft muss, der zahlt oft über Marktpreis. Es ist ein wenig wie Weihnachtsshopping am 24. Dezember.

Wohl dran ist der, welcher kann, aber nicht muss: Borussia Mönchengladbach lehnte ein 35-Millionen-Angebot aus Newcastle für Manu Kone ab, versucht sich im Gegenzug an einer Ausleihe von Benficas Nationalspieler Julian Weigl – der aber am Dienstag in der Champions-League-Quali zum Einsatz kam. „Er ist ein Top-Spieler“, sagte sein Trainer Roger Schmidt hernach – kann auch Taktik sein.

Mehr (Leipzig, Leverkusen) oder weniger (Dortmund) unbefriedigend sind die Bayern-Jäger in die Saison gestartet. Bei den Leverkusenern (null Punkte) darf Trainer Gerardo Seoane weitermachen, und das mit Verstärkung: Die Ausleihe von Chelseas Callum Hudson-Odoi steht bevor.

Andere Klubs müssen ihre aufgeblähten Kader dringend verschlanken, um keine finanzielle Geisterfahrt hinzulegen. Vor allem Hertha BSC mit fast drei Dutzend Spielern will Missverständnisse per Transfer ausräumen.  sid

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